LEXIKON
Wollen Sie mehr wissen über Schweden – auch abseits vom Tourismus? Im Lexikon gibt es dazu weitreichende Information. Wie ist die Thronfolge der schwedischen Monarchie geregelt und warum feiert man das Midsommar-Fest? Wie bereitet man einen echten schwedischen Glögg zu und wie fragt man auf Schwedisch nach dem Weg?
DER SCHWEDISCHE FILM
Auch nach Ingmar Bergman erfreut sich der schwedische Film hierzulande immer noch großer Beliebtheit. Regelmäßig laufen schwedische Produktionen im Fernsehen und in den Kinos.
Schwedische Filmgeschichte im Taschenformat
Der Film kam in Schweden mit der großen Stockholmer Kunst- und Industrieausstellung von 1897 zum Durchbruch. Damals wurden auch die ersten schwedischen Filmsequenzen gedreht. König Oscar II. wurde zum ersten schwedischen Filmstar, als seine Ankunft bei der Ausstellung gefilmt wurde. In der Stummfilmzeit um 1920 gehörte Schweden zu den führenden Filmnationen der Welt. Regisseure wie Victor Sjöström und Mauritz Stiller drehten eine Reihe von Filmen, die bei den Zeitgenossen als Meisterwerke galten und von der Nachwelt als Klassiker bezeichnet werden. Mehrere dieser Filme, wie zum Beispiel »Der Fuhrmann des Todes« (Körkarlen) und »Herr Arnes Schatz« (Herr Arnes pengar), basieren auf Büchern der schwedischen Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.
Die große Zeit dauerte nicht lange. Sjöström und Stiller emigrierten nach Hollywood, ihnen folgte u.a. Greta Garbo, der neue Stern am Filmhimmel.
Als Anfang der dreißiger Jahre der Tonfilm kam, gab der schwedische Film seine künstlerischen und internationalen Ambitionen auf und wurde sehr provinziell und volkstümlich. In Künstler- und Literatenkreisen galt er als so vulgär, dass man ihn als Schandfleck der schwedischen Kultur bezeichnete.
Um 1940, beinahe das gesamte restliche Europa war vom Krieg erfasst, fand eine Veränderung statt, als der Film eine wichtige Aufgabe in der psychologischen Verteidigung erhielt. Neben den eskapistischen Funktionen hatte die ernste Situation der Bereitschaftszeit die Wahl neuer Stoffe und künstlerische Intentionen zur Folge. Regisseure wie Alf Sjöberg und Hasse Ekman ließen Hoffnungen aufkeimen, dass Schweden wieder zu einer respektierten Filmnation werden könnte.
Nach dem Krieg lag Schweden ganz vorne, als das moderne Festivalsystem eine stärkere Nachfrage nach Filmen mit künstlerischem Prestige schuf. Dokumentarfilmer wie Arne Sucksdorf wurden mit internationalen Preisen überhäuft. Schwedische Spielfilme wurden immer stärker beachtet. Alf Sjöberg errang seinen größten Sieg, als er 1951 in Venedig den Grand Prix für »Fräulein Julie« (Fröken Julie) gewann. 1952 versetzte Arne Mattson das Publikum der Berlinale und der ganzen Welt mit »Sie tanzte nur einen Sommer« (Hon dansade en sommar) in Erstaunen.
1956 in Cannes geriet Ingmar Bergman mit »Das Lächeln einer Sommernacht« (Sommarnattens leende) in das internationale Rampenlicht. Schweden stand wieder im Zentrum des internationalen Filminteresses.
Ingmar Bergman hielt sich dort, solange er Filme machte. Sein Stern strahlte mit den Jahren immer heller. Ansonsten war die Situation des schwedischen Films nicht so gut. Um 1960 geriet die schwedische Filmbranche in die große Fernsehkrise. Das Publikum kehrte den Kinos größtenteils den Rücken. Das schwedische Angebot wurde kommerzialisiert, und bei den meisten Kollegen und Konkurrenten Bergmans verschwand die künstlerische Vitalität.
1963 änderten sich die Bedingungen für die schwedische Filmproduktion, als der schwedische Staat und die schwedische Filmbranche ein kulturpolitisches Abkommen schlossen, die sogenannte »Filmreform« (siehe unten). Durch die Filmreform wurden große wirtschaftliche Ressourcen freigesetzt, mit dem ausdrücklichen Ziel, die Produktion schwedischer Qualitätsfilme zu fördern.
Dank der Filmreform konnte sich eine neue Generation origineller und erfolgreicher Filmschaffender durchsetzen: Jan Troell, Bo Widerberg, Vilgot Sjöman, Kjell Grede usw. Gleichzeitig wurde der schwedische Film unter dem Einfluss der damals linksorientierten Kultur politisiert, was neue ästhetische und inhaltliche Signale zur Folge hatte. Das Problem war, dass das Kinopublikum weiter abnahm, auch wenn einheimische schwedische Filme liefen.
Die positivste Veränderung in den siebziger und achtziger Jahren war der Vormarsch der Frauen in anderen Rollen als der der Schauspielerin. Der Filmstar Mai Zetterling hatte bereits in den sechziger Jahren umgesattelt und war Regisseurin geworden. Nach ihr kamen jetzt Gunnel Lindblom (auch anfangs Schauspielerin), Marianne Ahrne, Marie-Louise De Geer Bergenstråhle, Christina Olofsson, Suzanne Osten, Maj Wechselmann und mehrere andere Filmschaffende. Astrid Lindgren gehörte als Autorin zu den am häufigsten engagierten Frauen des schwedischen Films, und durch sie wurde der schwedische Kinderfilm mehrere Jahre lang zu einer internationalen Attraktion.
Die große Medienexplosion Ende der achtziger Jahre hat die Bedingungen der Branche gründlich verändert. Der Film ist jetzt in die Medienlandschaft integriert und die Filmbranche ist stark mit dem TV-, Video- und Pay-TV-Markt verflochten. Die Kostenentwicklung in der Filmindustrie hatte zur Folge, dass die meisten schwedischen Filme jetzt Gemeinschaftsproduktionen mit einer großen Anzahl Geldgeber sind. Die Zusammenarbeit der nordischen Länder ist in dieser Situation zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für den schwedischen Film geworden.
Schwedische Filmgenres
Der schwedische Film steht in dem Ruf, kühl, karg und todernst zu sein. Von Sjöström und Stiller bis zum Kinderfilm »Ronja Räubertochter« (Ronja Rövardotter) haben die Natur, Schwierigkeiten des Zusammenlebens und der Tod zu den dominierenden Motiven des schwedischen Films gehört. Sie kamen in den Publikumserfolgen ebenso häufig vor wie in den großen aufwendigen Filmen und den vielbesprochenen Kunstwerken.
Aber der schwedische Film ist nicht nur ernst und tiefsinnig. Recht häufig geht es auch um die Liebe. Schauen Sie nur in das Kapitel »Publikumslieblinge im Laufe der Zeit« weiter unten.
Komödien, Lustspiele und Farcen haben fast immer für zuverlässigen Publikumszuspruch gesorgt und bilden die wirtschaftliche Grundlage der Filmindustrie. In Krisenzeiten waren es vor allem die fröhlichen Genres, die der Branche unter die Arme griffen. In den vierziger Jahren verfügte der schwedische Film mit Nils Poppe sogar über einen Filmkomiker von Weltruf.
In den letzten Jahren war der zurückhaltende Komiker Lasse Åberg in Schweden erfolgreich, z.B. mit »Der unfreiwillige Golfspieler« (Den ofrivillige golfaren, 1992). Das gleiche gilt für das Popidol Björn Skifs (z.B. mit der Thrillerkomödie Strul, 1988). Eine Reihe von Publikumserfolgen erzielten auch das Team der Serie über die »Jönssonliga« (Jönssonligan, ab 1981) und die Komikergruppe »Galenskaparna och After Shave« (z.B. mit Leif, 1987).
Der Dokumentarfilm gehört seit den Jahren vor 1920 zu den Renommierstücken des schwedischen Films. Eine lange Naturfilmtradition erreichte in den fünfziger Jahren mit Arne Sucksdorf und seinem weltberühmten Film »Das große Abenteuer« (Det stora äventyret) einen Höhepunkt. Die Tradition wurde in den sechziger und siebziger Jahren von Jan Lindblad mit seinen exotisch faszinierenden Tierfilmen weitergeführt.
Im Zusammenhang mit dem politischen Engagement der sechziger Jahre entstanden auch mehr gesellschaftsorientierte Dokumentarfilme. Jan Lindqvists und Stefan Jarls erschütternde Jugendstudie »Sie nennen uns Provos« (Dom kallar oss mods) verhalf diesem Genre 1968 zum Durchbruch. Jarl verfolgte die Thematik und die Menschen dieses Films in einem mehrjährigen soziologischen Projekt.
Film Nr. 2 der Reihe war »Ein anständiges Leben« (Ett anständigt liv, 1979), Film Nr. 3 trug den Titel »Das soziale Erbe« (Det sociala arvet, 1993). Neben Stefan Jarl gibt es eine vielköpfige und schlagkräftige Generation gesellschaftskritischer Dokumentarfilmer. Der Nachwuchs in diesem Bereich ist sehr vielversprechend.
Der Kinderfilm wird seit den fünfziger Jahren durch staatliche Unterstützung besonders gefördert. Er ist auch zu einem der Flaggschiffe des schwedischen Films geworden, anfangs vor allem dank Astrid Lindgren und der Filme über »Pippi Langstrumpf « (Pippi Långstrump), »Michel in der Suppenschüssel« (Emil i Lönneberga) und die anderen populären Figuren. Fast alle Lindgren-Verfilmungen waren auf den Exportmärkten erfolgreich.
Schweden gilt auch als Vorreiter des poetischen und ernsthaften Kinderfilms, der seit den sechziger Jahren internationale Aufmerksamkeit erregt. Kjell Gredes »Hugo und Josefin« (Hugo och Josefin) von 1967 war für diese Art des Kinderfilms richtungweisend. Astrid Lindgrens berühmte »Brüder Löwenherz« (Bröderna Lejonhjärta), die 1977 von Olle Hellblom verfilmt wurden, gehören zur gleichen Kategorie wie auch Lasse Hallströms »Mein Leben als Hund« (Mitt liv som hund, 1985).
Zum Kinderfilmangebot der letzten Jahre (mit attraktiven Filmen auch für ausgelassene Erwachsene) zählt »Bert – die letzte Unschuld« (Bert — den siste oskulden), bei dem Thomas Alfredson Regie führte. Mit dem Kinderfilm erlebte auch der Zeichentrickfilm einen kräftigen Aufschwung.
Schweden verfügt seit den siebziger Jahren über ein bemerkenswert großes Reservoir an originellen und fähigen Filmzeichnern. Der Meister Per Åhlin u.a. »Reise nach Melonia« (Resan till Melonia, 1989) und der kürzlich verstorbene Stig Lasseby, z.B. »Pelle Ohneschwanz« (Pelle Svanslös, 1981) gehören zu denjenigen, die im Spielfilmformat gearbeitet haben. Ein weiter Kreis sehr individueller, verschiedenartiger und professioneller Zeichentrickfilmer befasst sich mit der Produktion von Kurzfilmen.
Zunehmende Gewalt in der Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Einwandererkonflikte und Jugendkriminalität haben in den letzten Jahren einer wachsenden Gruppe von Filmschaffenden Stoff geliefert, die sich mit sozialen Problemen befasst. Manche legen durch die Darstellung von Mißbrauch- und Gewaltexzessen, Blut und Sex den Schwerpunkt auf die spekulativen Möglichkeiten des Stoffes. Andere versuchen die Problematik mit psychologischen Nuancen und soziologischem Scharfblick anzugehen.
In den siebziger Jahren galt Schweden etwas ungerechtfertigt als Vorreiter des pornographischen Films. Der Ruf entstand, weil mehrere der größten Exporterfolge in den fünfziger und sechziger Jahren in erotischer Hinsicht zweifellos ziemlich gewagt waren. Der Begriff »Schwedenfilm« bezeichnete jedoch bald keinen nationalen Ursprung mehr. Der schwedische Film hat möglicherweise die Dämme für die Filmpornographie durchbrochen, aber Schweden hat wirklich nicht besonders viel zu dieser Welle beigetragen.
Publikumslieblinge im Lauf der Zeit
Der größte Publikumsmagnet des schwedischen Films war der Schauspieler Edvard Persson (1888–1957), ein voluminöser Schone mit guter Stimme und komischem Talent. In seinen besten Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs zogen alle seine Filme Millionen in die schwedischen Kinos.
Ebenso populär war nach dem Krieg der volkstümliche Schauspieler John Elfström, der in 19 Filmen den possenhaft überzeichneten Bauern Åsa-Nisse spielte. Von den Kritikern wurde die Serie unaufhörlich gescholten, aber zumindest die früheren Åsa-Nisse-Filme waren auf dem Land enorme Publikumserfolge.
Aus dem Jahr 1951 stammt Arne Mattsons »Sie tanzte nur einen Sommer«, der bis dahin größte Exportschlager der schwedischen Filmgeschichte. Dieser Film hat viele Qualitäten, aber es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die entscheidende Attraktion die kühne Darstellung der nackten Ulla Jacobsson war.
Erst 1961 wurde er als Publikumsmagnet von einem anderen Film über zärtliche Erotik in der schwedischen Mittsommernacht übertroffen. Jetzt badeten Christina Schollin und Jarl Kulle nackt. Mit 2,8 Millionen Besuchern hält »Engel, gibt’s die?« (Änglar finns dom?) immer noch den Publikumsrekord in schwedischen Kinos.
Dem Regisseur des Films, Lars-Magnus Lindgren, gelang 1964 mit dem gleichen Schauspielerpaar und der gleichen erotischen Offenheit noch ein tolles Stück in kommerzieller Hinsicht. »Lieber John« (Käre John) war der größte Exportschlager des schwedischen Films, bis dessen Verkaufsresultat 1967 von Vilgot Sjömans »Ich bin neugierig – gelb« (Jag är nyfiken – gul), ebenfalls ein Film mit aufsehenerregenden Sexszenen, verdreifacht wurde. Dieser Rekord ist auch nach dreißig Jahren ungebrochen.
Schwedische Oscarpreisträger
Mit dem Oscar, dem prestigeträchtigen Academy Award der amerikanischen Filmakademie, wurden im Lauf der Jahre folgende schwedische Filme und Filmschaffende ausgezeichnet:
1944: Ingrid Bergman – beste weibliche Hauptrolle in Gaslight
1948: »Menschen in der Stadt« (Människor i stad) – bester kurzer Dokumentarfilm (Regisseur Arne Sucksdorff)
1951: Kon-Tiki – bester Dokumentarfilm (Produzent Olle Nordemar)
1954: Greta Garbo – Special Award
1956: Ingrid Bergman – beste weibliche Hauptrolle in Anastasia
1960: »Die Jungfrauenquelle« (Jungfrukällan) – bester ausländischer Film (Regie Ingmar Bergman)
1961: »Wie in einem Spiegel« (Såsom i en spegel) – bester ausländischer Film (Regie Ingmar Bergman)
1970: Ingmar Bergman – Irving G. Thalberg Memorial Award
1973: Sven Nykvist – beste Kamera in »Schreie und Flüstern« (Viskningar och rop)
1974: Ingrid Bergman – beste weibliche Nebenrolle in »Mord im Orient Express« (Murder on the Orient Express)
1983: Anna Asp – beste Ausstattung in »Fanny und Alexander« (Fanny och Alexander)
1983: »Fanny und Alexander« – bester ausländischer Film (Regie Ingmar Bergman)
1983: Marik Vos – beste Kostüme in »Fanny und Alexander«
1983: Sven Nykvist – beste Kamera in »Fanny und Alexander«
1988: »Pelle, der Eroberer« (Pelle Erövraren) – bester ausländischer Film (Regie Bille August)
1995: Per Hallberg – beste Geräuscheffekte in Braveheart.
Internationale Filmstars
Schweden hat auch durch einen erstaunlich hohen Export von Filmstars zur internationalen Filmgeschichte beigetragen. Meistens handelte es sich dabei um Frauen. Der größte Star war Greta Garbo, die nach einigen Stummfilmen in Schweden gleichzeitig mit Sjöström und Stiller nach Hollywood emigrierte. Garbo, die »Göttliche«, war in Filmen wie Anna Karenina (1927 und 1935), »Der Kuß« (A Woman of Affairs, 1929), »Königin Christina« (Queen Christina, 1934) »Die Kameliendame« (Camille, 1937) und Ninotschka (1939) viele Jahre lang der Inbegriff des Stars.
Der nächste schwedische Superstar in Hollywood war Ingrid Bergman. 1939 wurde sie in die USA geholt, um neben Leslie Howard eine amerikanische Version des schwedischen Films Intermezzo zu drehen, der ihr zum Durchbruch verholfen hatte. Bis zu ihrem Tod blieb sie im internationalen Rampenlicht. In Hollywood spielte sie neben Humphrey Bogart in Casablanca, neben Gary Cooper in »Wem die Stunde schlägt« (For Whom the Bell Tolls), neben Charles Boyer in »Das Haus der Lady Alquist« (Gaslight), neben Bing Crosby in The Bells of St. Mary und neben Gregory Peck in »Ich kämpfe um dich« (Spellbound).
Nach Ingrid Bergman zogen Signe Hasso, Marta Toren, Viveca Lindfors, Mai Zetterling und Anita Ekberg nach Hollywood und wurden zu Filmstars mit mehr oder weniger Leuchtkraft und Beständigkeit. Schließlich kamen auch Lena Olin und Pernilla August dorthin.
Während des Dritten Reichs waren zwei schwedische Schauspielerinnen, Zarah Leander und Kristina Söderbaum, die größten Stars des deutschen Films. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden durch die Filme von Ingmar Bergman einige ausgezeichnete schwedische Schauspielerinnen in der ganzen Welt bekannt: Bibi Andersson, Harriet Andersson, Eva Dahlbeck, Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, Liv Ullman (gebürtige Norwegerin). Alle wurden von der internationalen Filmindustrie fleißig engagiert.
Von den Männern in Bergmans »Stall« war Max von Sydow der überragende Weltstar. Er hat im amerikanischen Film die unterschiedlichsten Rollen gestaltet, von Jesus in The Greatest Story Ever Told bis zu allerlei dämonischen Figuren in Horrorfilmen und Thrillern. Weitere berühmte schwedische Gesichter in Hollywood, davon einige mit Verbindung zu Bergman, sind seit 1970 Erland Josephson, Peter Stormare, Stellan Skarsgård, Bo Svensson und Dolph Lundgren.
Ingmar Bergman
Die größte internationale Berühmtheit des schwedischen Films ist der Regisseur Ingmar Bergman. Er ist auch der namhafteste Theaterregisseur des Landes. Zu Anfang seiner Karriere stieß er bei Produzenten und Kritikern auf erbitterten Widerstand, aber seit seinem Welterfolg »Lächeln einer Sommernacht« (1955) steht er im Brennpunkt nicht versiegender internationaler Aufmerksamkeit.
Einige seiner am stärksten beachteten Filme sind »Gefängnis« (Fängelse, 1949), »Die Zeit mit Monika« (Sommaren med Monika, 1953), »Das siebente Siegel« (Det sjunde inseglet, 1956), »Wilde Erdbeeren« (Smultronstället, 1957), »Das Schweigen« (Tystnaden, 1963), Persona (1966), »Schreie und Flüstern« (Viskningar och rop, 1973). Wie Bergman selbst versicherte, ist »Fanny und Alexander« (Fanny och Alexander) von 1982 sein letzter Film, obwohl er seitdem mehrere Drehbücher für andere Regisseure geschrieben hat.
Die schwedische Filmreform
1963 wurde die schwedische Filmreform durchgeführt, eine listige Konstruktion des sozialdemokratischen Kulturpolitikers Harry Schein. Durch ein Abkommen zwischen dem schwedischen Staat und der Filmbranche wurde die frühere 25%-ige Vergnügungssteuer auf Kinokarten abgeschafft. Im Gegenzug erklärten sich die Kinobesitzer bereit, 10% ihrer Einnahmen an die neugegründete Stiftung Schwedisches Filminstitut (Svenska Filminstitutet) abzuführen. Ein Großteil dieser Mittel wurde dafür verwendet, die Produktion »schwedischer Qualitätsfilme« anzuregen. Die Finesse des Systems bestand darin, dass auch die Einnahmen aus ausländischen Filmen den schwedischen Film subventionierten.
Die ursprüngliche Effektivität der Filmreform verringerte sich im gleichen Takt wie die Anzahl der Kinobesuche. Das Filmabkommen wurde mehrmals revidiert, ergänzt und erweitert. Zu den Parteien des Abkommens gehören jetzt auch die Videobranche und die schwedischen Fernsehgesellschaften. Subventionen für »wertvolle schwedische Filmproduktionen« werden von wenigen Filmberatern mit hoher persönlicher Verantwortung verteilt.
Das Filminstitut hat neben der Subventionstätigkeit auch umfassende filmkulturelle Aufgaben anderer Art: Bibliothek, Archiv, Cinemathek, Filmrestaurierung usw. Für diese Tätigkeit stehen besondere staatliche Mittel zur Verfügung. Das Filminstitut hat seinen Sitz im Filmhaus (Filmhuset) in Stockholm und da befinden sich auch das Filmwissenschaftliche Institut der Universität Stockholm (Filmvetenskapliga Institutionen) und die Hochschule für Film, Theater, Rundfunk und Fernsehen (Dramatiska Institutet), d.h. die wichtigsten zentralen Institute des Landes für theoretische Forschung und praktische Ausbildung auf dem Gebiet Film.
Die Filmzensur
Schweden hat die älteste immer noch tätige Filmzensur der Welt. Die Zensurbehörde, die Staatliche Zentralstelle für Filmkontrolle (Statens Biografbyrå), wurde 1911 auf Wunsch der Kinogegner und der Filmbranche eingerichtet.
Zwischen der Branche und der Zensur herrscht im allgemeinen ein sehr gutes Einverständnis. Eingriffe und Verbote der Zensur dürfen in Friedenszeiten nur aus Gründen der geistigen Hygiene erfolgen. Die wichtigste Aufgabe der Zentralstelle für Filmkontrolle ist zu verhindern, dass Kinder durch Filme psychischen Schaden erleiden. Die Zensoren können einen Film für alle Altersstufen freigeben oder eine Altersgrenze von sieben, elf oder 15 Jahren festlegen. Sie können auch Schnitte in einem Film beschließen oder einen Film ganz verbieten.
Bei einigen Gelegenheiten haben die von der Zensur ergriffenen – oder unterlassenen – Maßnahmen zu heftigen Diskussionen geführt, z.B. 1963 das Verbot von Vilgot Sjömans »491« oder im gleichen Jahr die Freigabe von Ingmar Bergmans »Das Schweigen«.
Die Berechtigung der Filmzensur wurde mehrmals von Kritikern und Politikern in Frage gestellt. Alle Versuche, sie abzuschaffen, sind häufig wegen der Unsicherheit der Branche über die Folgen bis jetzt gescheitert.
Produktionsunternehmen
Die AB Svensk Filmindustri (SF) ist seit über 75 Jahren die größte schwedische Filmgesellschaft. Sie wurde im Dezember 1919 durch eine Fusion der beiden größten Filmgesellschaften des Landes, Svenska Bio und Skandia, gegründet. Dadurch ist die SF direkt mit allen großen Klassikern der Stummfilmzeit verknüpft. Seit den zwanziger Jahren wahrt die SF ihre Position als Schwedens fleißigste Produktionsgesellschaft und als Eigentümerin der größten Kinokette des Landes.
1984 wurde die SF mit einer weiteren großen und traditionsreichen Filmgesellschaft, der AB Europa Film, vereinigt. Die Europa Film war seit Anfang der dreißiger Jahre als Kinoeigentümerin und als Produzentin eine der wichtigsten schwedischen Filmgesellschaften.
Seit Anfang der achtziger Jahre gehört die SF zum Bonnier-Konzern, einem der größten schwedischen Medienunternehmen. Die SF ist in den meisten Sektoren der Medienwelt und auch außerhalb Schwedens tätig. Sie hat in den letzten Jahren z.B. Hamsun von Jan Troell und die Erfolgskomödie »Adam & Eva« von Måns Herngren und Hannes Holm produziert.
Die Sandrew Film AB geht auf das Ende der zwanziger Jahre zurück. Der Gründer des Unternehmens, der Kaufmann Anders Sandrew, begann damals eine eigene Kinokette in Stockholm aufzubauen. In den vierziger Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einer wichtigen Produktionsgesellschaft. Beim Bau von Kinos war Sandrews auch in den letzten Jahren bahnbrechend. Die Gesellschaft betreibt mehrere Bühnentheater in Stockholm und hat auch in den Nachbarländern Interessen auf dem Kino-, TV- und Videomarkt. Die Sandrew Film AB hat kürzlich Vilgot Sjömans »Alfred« über Alfred Nobel produziert und ist eine der Hauptproduzentinnen von beispielsweise Kjell-Åke Anderssons »Das Weihnachtsoratorium« (Juloratoriet) nach dem Roman von Göran Thunström.
Das Schwedische Fernsehen (SVT) ist ein wichtiger Faktor der schwedischen Filmszene. Das SVT produziert eigene Filme für den Verleih an Kinos und für Fernsehsendungen, ist aber auch als Koproduzent an vielen Produktionen der Filmbranche beteiligt. SVT Drama ist seine größte Filmproduktionsabteilung.
Das SVT war kürzlich Hauptproduzent von Bille Augusts »Jerusalem« und neben der Sandrew Film AB auch von Kjell-Åke Anderssons »Das Weihnachtsoratorium«.
Festivals
Etwa zehn Filmfestivals verschiedener Art werden jährlich in Schweden veranstaltet.
Die beiden wichtigsten sind die internationalen Festivals von Göteborg im Februar und von Stockholm im November. Beim Umeå Filmfestival im September werden hauptsächlich Dokumentarfilme, beim Uppsala Filmfestival im Oktober vor allem Kurzfilme gezeigt. BUFF ist ein Festival für Kinder- und Jugendfilme.