HOME WIRTSCHAFT REISEN LEXIKON COMMUNITY NEWSLETTER SVERIGE.DE ?
 
KULTUR
POLITIK UND GESELLSCHAFT
LANDESKUNDE
WIRTSCHAFT
NATUR UND UMWELT
SPRACHE
 
 
  LEXIKON > LANDESKUNDE > GESCHICHTE
 
LEXIKON
Wollen Sie mehr wissen über Schweden – auch abseits vom Tourismus? Im Lexikon gibt es dazu weitreichende Information. Wie ist die Thronfolge der schwedischen Monarchie geregelt und warum feiert man das Midsommar-Fest? Wie bereitet man einen echten schwedischen Glögg zu und wie fragt man auf Schwedisch nach dem Weg?
 
GESCHICHTE
 
Gustav II. Adolf, schwedischer König (1611–1632), Gründer der Stadt Göteborg.
Gefallen 1632 im Dreißigjährigen Krieg in der Schlacht bei Lützen.
 
 
Frühzeit
Wikingerzeit und Christianisierung
Die Gründung des Königreichs
Die Hansezeit
Die Kalmarer Union
Die Wasazeit
Von der Großmachtpolitik zur Neutralität
Verfassungsmäßige, wirtschaftliche und politische Entwicklung
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert
Kurze Zeit einer bürgerlichen Regierung
Schwedische Könige seit 1523
 
 
Frühzeit
Vor 14 000 Jahren war das gesamte heutige Schweden von Eis bedeckt. Als sich das Inlandeis allmählich zurückzog, rückten die Menschen nach, und die älteste bekannte Siedlung, die im südlichen Schweden gefunden wurde, stammt aus der Zeit um 10.000 v.Chr.
Von 8000 bis 6000 v.Chr. wurde das ganze Land nach und nach von Stämmen besiedelt, die von Jagd und Fischfang lebten und einfache Geräte aus Stein benutzten. Die Steinzeit, in der die Geräte verfeinert wurden und aus der sich Siedlungen und Gräber in immer größerer Anzahl erhalten haben, wurde um 1800 v.Chr. im Norden von der Bronzezeit abgelöst, die sich bis 500 v.Chr. erstreckte. Ihr Name leitet sich von den Waffen und Kultgegenständen ab, die für die Funde aus dieser Periode charakteristisch sind, auch wenn die Steingeräte weiterhin das tägliche Leben prägten.
Im Norden – vor allem in Dänemark, aber auch in Schweden – ist die Bronzezeit von einer hochstehenden Kultur gekennzeichnet, die u.a. reiche Grabfunde hinterlassen hat. Ab ca. 500 v.Chr. nehmen die Funde ab, während gleichzeitig das Eisen allgemein in Gebrauch kommt. Während der älteren Eisenzeit (500 v.Chr.–400 n.Chr.), der Völkerwanderungszeit (400–550) und der sich anschließenden Vendelzeit (550–800), so benannt nach den prächtigen Bootgräbern in Vendel in Uppland, wurde die Bevölkerung in Schweden endgültig sesshaft, und der Ackerbau bildete danach die Grundlage für Wirtschaftsform und Gesellschaft.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Wikingerzeit und Christianisierung
Die Wikingerzeit (800–1050) ist von einer starken Expansion geprägt. Von Schweden aus gingen die Wikingerzüge vor allem nach Osten. In einer Mischung aus Raubzügen und Handelsexpeditionen entlang der Ostseeküsten und Flüsse fuhren die schwedischen Wikinger bis weit in das heutige Russland hinein, wo sie Handelsstationen und kurzlebige Reiche, wie das Ruriks in Nowgorod, gründeten, und weiter bis zum Schwarzen und zum Kaspischen Meer, wo sie Handelsverbindungen mit Byzanz und der arabischen Welt errichteten.
Gleichzeitig erreichte Schweden die christliche Mission mit dem Mönch Ansgar, der im 9. Jahrhundert aus dem Frankenreich kam. Doch erst im 11. Jahrhundert wurde Schweden christianisiert, wobei sich das Heidentum mit der alten nordischen Götterlehre bis weit in das 12. Jahrhundert hielt. Erst im Jahr 1164 erhielt Schweden einen eigenen Erzbischof. Die Expansion nach Osten während des 12. und 13. Jahrhunderts führte dazu, dass Finnland nach mehreren Kreuzzügen dem schwedischen Reich einverleibt wurde.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Die Gründung des Königreichs
Die früher selbständigen Landschaften gingen um das Jahr 1000 in einer neuen Einheit auf, deren Schwerpunkt einerseits in Väster- und Östergötland, andererseits in den Mälarprovinzen mit Uppland im Zentrum lag. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts tobte der Kampf um die weltliche Macht in diesem Reich zwischen den Geschlechtern Sverkers und Eriks, die zwischen 1160 und 1250 abwechselnd die Königsmacht innehatten. Noch zu dieser Zeit waren die einzelnen Landschaften jedoch die administrativen Einheiten mit eigenem Thing, Rechtskundigen und Gesetzen.
Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gewann der König verstärkten Einfluss und konnte mit dem Bau königlicher Burgen und der Einführung der Provinzialverwaltung die Interessen der Zentralmacht ernsthaft geltend machen und für das ganze Reich gültige Gesetze und Verordnungen durchsetzen.
Im Jahr 1280 erließ Magnus Ladulås (1275–90) ein Dekret, das die Entstehung eines weltlichen Adelsstandes sowie die Organisation der Gesellschaft nach feudalem Muster ermöglichte. Dem König zur Seite trat ein Rat mit Vertretern der Aristokratie und der Kirche. Während der Regierungszeit von Magnus Eriksson (1319–64) wurden die einzelnen Landschaftsgesetze 1350 von einem im ganzen Reich geltenden Landesgesetz abgelöst.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Die Hansezeit
Im 14. Jahrhundert wuchs der Handel vor allem mit den deutschen Städten, die sich unter der Führung Lübecks in der Hanse zusammengeschlossen hatten. Während der folgenden 200 Jahre, bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts, beherrschte die Hanse den Handel in Schweden, in dessen Gefolge eine große Anzahl von Städten gegründet wurde. Die Landwirtschaft, die weiterhin die Grundlage des ökonomischen Lebens bildete, entwickelte sich gleichzeitig durch die Einführung der Dreifelderwirtschaft sowie verbesserte Arbeitsgeräte.
Die Pest, die Schweden 1350 erreichte, führte allerdings zu einer langandauernden wirtschaftlichen Depression mit einem starken Bevölkerungsrückgang und vielen entvölkerten Höfen. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war die Krise endgültig überwunden, zu einer Zeit, als die Eisenhütten in Mittelschweden eine immer größere Rolle für die Wirtschaft des Landes zu spielen begannen.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Die Kalmarer Union
Im Jahr 1389 wurde die Königsmacht in Dänemark, Norwegen und Schweden durch Erbschaften und Heiraten in einer Hand unter der Regentschaft der dänischen Königin Margarete vereinigt. Unter ihrer Führung wurde 1397 ein Bund geschlossen, die sog. Kalmarer Union, in der die drei skandinavischen Länder denselben König anerkannten. Die gesamte Unionszeit von 1397 bis 1521 war jedoch von Kämpfen zwischen königlicher Zentralmacht und Hochadel sowie zeitweilig aufständischen Bauern und Bürgern gekennzeichnet.
Die Konflikte, die mit den Bestrebungen verknüpft waren, die nationale Einheit Schwedens und seine an die Hanse gekoppelten wirtschaftlichen Interessen zu sichern, mündeten in das Stockholmer Blutbad von 1520, bei dem der dänische Unionskönig Christian II. mehr als 80 der führenden schwedischen Männer hinrichten ließ. Darauf brach ein Aufstand aus, der 1521 zur Absetzung Christians II. und zur Machtergreifung durch den schwedischen Adligen Gustav Wasa führte, welcher 1523 zum schwedischen König gewählt wurde.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Die Wasazeit
Unter der Regierung von Gustav Wasa (1523–60) wurden die Grundlagen des schwedischen Nationalstaats gelegt. Die Kirche wurde nationalisiert, ihre Güter verstaatlicht und sukzessiv die protestantische Reformation durchgeführt. Gleichzeitig wurde die Verwaltung nach deutschem Vorbild organisiert und die Macht auf den König konzentriert. Statt der bis dahin geltenden Wahlmonarchie, bei der die Aristokratie bei jedem Thronwechsel ihren Einfluss geltend machen konnte, wurde in Schweden 1544 die Erblichkeit der Königsmacht durchgesetzt.
Trotz der Versuche des Hochadels, die Macht des Reichsrates unter den Regierungen von Erik XIV. (1560–68), Johan III. (1568–92) und Sigismund (1592–99) wiederherzustellen, behielt der König seine Stellung und stärkte sie weiter unter den Regierungen von Karl IX. (1599–1611) und Gustav II. Adolf (1611–32).
Nach dem Tod Gustav II. Adolfs in der Schlacht bei Lützen im Jahr 1632 gelang es dem Hochadel, 1634 eine neue Regierungsform durchzusetzen, die die Macht den gleichzeitig eingerichteten zentralen Verwaltungsbehörden übertrug. Allerdings blieb diese Regierungsform an die Vormundschaftsregierungen geknüpft — zunächst während der Unmündigkeit von Königin Kristina und später von Karl XI. — und wurde ganz außer Kraft gesetzt, als König Karl XI. 1680 eine umfassende Reduktion der Güter des Adels durchführte und ihn so endgültig in einen Beamtenadel verwandelte, der in allen Belangen dem König unterstand.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Von der Großmachtpolitik zur Neutralität
Außenpolitisch hatte Schweden seit dem Bruch der Union mit Dänemark und Norwegen darauf hingearbeitet, die Vorherrschaft im Ostseeraum zu erlangen. Daraus ergaben sich seit den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts wiederholt Kriege mit Dänemark. Nachdem Schweden 1630 mit großem Erfolg auf seiten der Protestanten in den Dreißigjährigen Krieg eingegriffen hatte und Gustav II. Adolf zu einem der führenden Monarchen in Europa geworden war, wurde Dänemark in zwei Kriegen 1643–45 und 1657–58 besiegt, wodurch Skåne, Halland, Blekinge und die Insel Gotland, die früher zu Dänemark gehört hatten, an Schweden fielen und es außerdem Bohuslän, Jämtland und Härjedalen von Norwegen erhielt.
Da Schweden auch Finnland sowie eine Reihe von Provinzen im Baltikum und in Norddeutschland umfasste, war es damit nach dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem Frieden mit Dänemark in Roskilde 1658 zur führenden Großmacht im nördlichen Europa geworden. Schweden fehlte es allerdings an der Wirtschaftskraft, um seine Stellung als Großmacht auf die Dauer behaupten zu können, da es mit Ausnahme einiger weniger Eisenhütten und der Kupfergrube in Falun ein reines Agrarland mit ausgeprägter Naturalwirtschaft war.
Nach den Niederlagen im Großen Nordischen Krieg (1700–21) gegen Dänemark, Polen und Russland verlor Schweden den größten Teil seiner Provinzen jenseits der Ostsee und wurde weitgehend auf die Gebiete des heutigen Schweden und Finnland reduziert. Während der Napoleonischen Kriege gingen schließlich Finnland (an Russland) sowie die letzten Besitzungen in Norddeutschland (Vorpommern mit Rügen) verloren. Als Ersatz für diese Verluste gelang es dem 1810 gewählten Thronfolger und späteren König Karl XIV. Johan, Norwegen zu erwerben, das 1814 zu einer Union mit Schweden gezwungen wurde. Trotz vieler innerer Konflikte hielt diese Union bis ins Jahr 1905, als sie in friedlichen Formen wieder aufgelöst wurde.
Seit einer kurzen militärischen Auseinandersetzung mit Norwegen im Zusammenhang mit der Entstehung der Union 1814 hat Schweden an keinem Krieg mehr teilgenommen und seit dem Ersten Weltkrieg die dezidierte außenpolitische Linie verfolgt, im Frieden allianzfrei und im Krieg neutral zu bleiben, wobei es seine Sicherheit auf eine starke Gesamtverteidigung außerhalb der Bündnisse gründete. Gleichzeitig schloss sich Schweden allerdings 1920 dem Völkerbund und 1946 den Vereinten Nationen an und hat sich unter dem Dach dieser Organisationen an verschiedenen internationalen Aktionen zur Sicherung des Friedens beteiligt.
Das Ende des Kalten Krieges und der politischen Teilung Europas hat neue Perspektiven für die schwedische Außen- und Sicherheitspolitik geschaffen — und neue Möglichkeiten für Schweden, am Prozess der westeuropäischen Integration teilzunehmen. Im Juli 1991 beantragte Schweden auch die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft und trat nach einer Volksabstimmung im November 1994 zum 1. Januar 1995 der Europäischen Union (EU) bei. Schweden zog es vor, sich der Währungsunion der EU (EMU), die am 1. Januar 1999 in Kraft trat, nicht anzuschließen. Möglicherweise wird es jedoch nach einer neuen Volksabstimmung oder einer Reichstagswahl, bei der die EMU eines der Hauptthemen sein wird, später der Währungsunion beitreten. Was die Verteidigung anbelangt, bestätigte die Regierung ebenfalls Anfang 1999 die schwedische Politik der Bündnisfreiheit.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Verfassungsmäßige, wirtschaftliche und politische Entwicklung
Nach dem Tod des Kriegerkönigs Karl XII. im Jahr 1718 und den Niederlagen im Großen Nordischen Krieg setzten Reichstag und Reichsrat eine Verfassungsreform durch, die die Alleinherrschaft des Königs abschaffte und die Macht in die Hände des Reichstags legte. Während der sog. Freiheitszeit 1719–72 entwickelte sich so ein parlamentarisches System, in dem die im Reichstag herrschende Partei die Regierung (den Reichsrat) stellte, die ihrerseits dem Reichstag gegenüber verantwortlich war. König Gustav III. (1771–92) beschnitt die Macht des Reichstags durch einen unblutigen Staatsstreich 1772 und führte 1789 erneut die Alleinherrschaft ein.
Das Schweden des 18. Jahrhunderts ist im übrigen von einer raschen kulturellen Entwicklung, u.a. in enger Verbindung mit Frankreich, gekennzeichnet. Der Handel, der sich in dieser Periode ebenfalls in schnellem Tempo entwickelte, wurde in den Napoleonischen Kriegen stark beeinträchtigt, was im beginnenden 19. Jahrhundert zu wirtschaftlicher Stagnation und einer tiefgreifenden Krise führte. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Schweden trotz des Eisenbahnbaus und des Aufkommens der Holzindustrie ein armes Land, in dem 90% der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebten. Die Folge war eine massenhafte Emigration vor allem nach Nordamerika; bei einer Bevölkerung von nur 3,5 Millionen im Jahr 1850 und 6 Millionen im Jahr 1930 wanderten ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts etwa 1,5 Millionen Schweden aus.
Erst in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann die Industrie zu wachsen und durchlief in der Periode von 1900 bis 1930 eine Entwicklung in äußerst raschem Tempo, die Schweden in eine der führenden Industrienationen nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelte. Innenpolitisch war Schweden seit 1809 von einer ruhigen und zugleich friedlichen Entwicklung geprägt. Nach einem Staatsstreich in jenem Jahr, bei dem Gustav IV. Adolf (1792–1809) abgesetzt wurde, hatte das Land eine neue Regierungsform erhalten, die sich durch eine Gewaltenteilung im Sinne Montesquieus auszeichnete.
Kurz darauf wurde der französische Marschall Jean Baptiste Bernadotte zum schwedischen Thronfolger gewählt und 1818 unter dem Namen Karl XIV. Johan (1818–44) als König eingesetzt. Auch wenn seine Regierungszeit durch eine konservative Politik charakterisiert war, begann sich allmählich eine liberale Opposition Gehör zu verschaffen. Im Jahr 1842 wurde die allgemeine Schulpflicht und Volksschule eingeführt, und unter den Regierungen seines Sohnes Oskar I. (1844–59) bzw. Enkels Karl XV. (1859–72) folgte dann der Durchbruch des Liberalismus, der u.a. die Abschaffung des Zunftwesens und die Einführung der Gewerbefreiheit 1846, den Durchbruch für den Freihandel in den 50er und 60er Jahren sowie schließlich die Einführung einer kommunalen Selbstverwaltung 1862 und eine Parlamentsreform 1866 mit sich brachte.
Mit der letztgenannten Reform wurde der bereits im 15. Jahrhundert eingerichtete altertümliche Vierständereichstag abgeschafft und durch einen Zweikammerreichstag ersetzt, der bis zur Einführung des heutigen Einkammerreichstags 1971 Bestand hatte. Kennzeichnend für das Schweden des 19. Jahrhunderts ist auch das Aufkommen starker Volksbewegungen wie die Abstinenzlerbewegung, die freikirchlichen Bewegungen, die Frauenbewegung und vor allem die Arbeiterbewegung, die im Zuge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark wurde.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Die Entwicklung im 20. Jahrhundert
Ab der Jahrhundertwende zeichnete sie sich durch ihren Reformismus aus, und schon 1917 traten Vertreter der Sozialdemokratie in die Regierung ein. Allgemeines und gleiches Wahlrecht wurde für Männer 1909 und für Frauen 1921 eingeführt, zu einer Zeit, als sich der Parlamentarismus endgültig durchsetzte. In den 30er Jahren, als die Sozialdemokraten die Regierungsmacht gewonnen hatten, wurde ein Wohlfahrtsstaat entworfen, der nach dem Zweiten Weltkrieg in allen wesentlichen Zügen verwirklicht werden konnte.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde eine Koalitionsregierung der vier demokratischen Parteien gebildet, auf die nach Kriegsende wiederum eine rein sozialdemokratische Regierung unter Per Albin Hansson folgte. Nach dessen Tod im Jahr 1946 übernahm Tage Erlander den Posten des Ministerpräsidenten, den er bis 1969 ununterbrochen innehatte. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde in den Jahren 1969–76 Olof Palme.
Unter sozialdemokratischer Führung aber in enger Abstimmung mit den anderen demokratischen Parteien wurden in den 40er und 50er Jahren eine Reihe von Reformen verwirklicht, die gemeinsam das Fundament des schwedischen Wohlfahrtsstaates bilden. Gleichzeitig wurden Forderungen nach einer Modernisierung der Regierungsform von 1809 laut. Nach Jahren der Diskussion und Kommissionstätigkeit wurde 1974 eine neue Regierungsform angenommen, der zufolge alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, das in freier und geheimer Wahl den Reichstag bestimmt. Dieser verabschiedet allein Gesetze und hat das Recht, Steuern zu erheben. Die Regierung wird vom Reichstag bestätigt, dem sie auch verantwortlich ist. Der König bleibt Staatsoberhaupt, seine Tätigkeit jedoch beschränkt sich auf rein repräsentative Aufgaben.
Auf Gustaf VI. Adolf, der den Thron 1950 bestieg, folgte bei dessen Tod 1973 mit Carl XVI. Gustaf der erste schwedische König, der gemäß der neuen Verfassung »regierte«. Durch eine Änderung des Thronfolgegesetzes wurde 1980 gleiches Erbrecht für Männer und Frauen eingeführt, so dass Prinzessin Victoria an Stelle ihres jüngeren Bruders Carl Philip zur Thronfolgerin wurde.
Die internationale Wirtschaftskrise, die 1973 von den dramatisch gestiegenen Ölpreisen ausgelöst wurde, rief auch in Schweden eine steigende Arbeitslosigkeit hervor. Der in den 50er und 60er Jahren in sehr schnellem Tempo erfolgte Ausbau der Industrie sowie der rasche Produktionsanstieg hatten bis zum Beginn der 70er Jahre zu einer stetigen und zugleich dynamischen Erhöhung des Lebensstandards geführt. Seit Mitte der 70er Jahre erfolgte die Verbesserung des Lebensstandards in langsamerem Tempo und kam gegen Ende der 80er Jahre ganz zum Erliegen. Die Wirtschaftskrise führte 1976 zur Abwahl der sozialdemokratischen Regierung und zur Bildung einer bürgerlichen Koalitionsregierung unter dem Vorsitzenden der Zentrumspartei, Thorbjörn Fälldin. Die Gegensätze in der Frage eines weiteren Ausbaus der Kernkraft bewirkten allerdings mehrere Regierungsumbildungen.
Bei der Reichstagswahl von 1982 beherrschten die Vollbeschäftigung und das Haushaltsdefizit die Diskussion. Die Sozialdemokratische Partei ging aus den Wahlen als Sieger hervor und bildete eine Regierung mit Olof Palme als Ministerpräsidenten. Durch eine Abwertung der Krone und eine Reihe weiterer einschneidender Maßnahmen gelang es der neuen Regierung, die Wirtschaftslage zu verbessern. Die 1983 und die Jahre danach stark verbesserte internationale Konjunktur trug in Schweden zu einem Ausgleich des Staatshaushalts bei, was die Regierung zu einer kräftigen Ausweitung des öffentlichen Sektors nutzte.
Der Mord an Olof Palme am 28. Februar 1986 traf die schwedische Bevölkerung, die nahezu 200 Jahre von politischer Gewalt verschont geblieben war, wie ein Schock. Als Ministerpräsident wurde Olof Palme von Ingvar Carlsson ersetzt, der dessen Politik in allen wesentlichen Punkten weiterführte. Der Produktionszuwachs, der die wirtschaftliche Entwicklung Schwedens bis dahin geprägt hatte, geriet in den 80er Jahren ins Stocken. An der Wende zu den 90er Jahren zeigte sich erstmals eine Verringerung der Industrieproduktion und eine negative Zahlungsbilanz mit dem Ausland. Gleichzeitig stellte der große Ausbau des öffentlichen Sektors wachsende Forderungen an die Wirtschaft. Die rasche Zunahme der Arbeitslosigkeit ließ auch das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung weiter anwachsen.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Kurze Zeit einer bürgerlichen Regierung
Die steigende Unzufriedenheit mit der sozialdemokratischen Regierung führte bei der Reichstagswahl von 1991 zu ihrer Abwahl und zur Bildung einer bürgerlichen Koalitionsregierung mit Carl Bildt, dem Vorsitzenden der Moderaten Sammlungspartei, als Ministerpräsidenten. Trotz aller Versuche zur Förderung der Unternehmerinitiative und großen Einsparungen der öffentlichen Hand gelang es der neuen Regierung nicht, die Arbeitslosigkeit sowie das rasch wachsende Haushaltsdefizit und die steigende Staatsverschuldung zu bekämpfen. Bei der Reichstagswahl von 1994 gewannen die Sozialdemokraten erneut und bildeten eine sozialdemokratische Minderheitsregierung unter Ingvar Carlsson. Im März 1996 trat Ingvar Carlsson aus persönlichen Gründen zurück; sein Nachfolger wurde der frühere Finanzminister Göran Persson.
Die erste Aufgabe der sozialdemokratischen Regierung bestand darin, die öffentlichen Finanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies erfolgte durch eine Kombination von Steuererhöhungen und Einsparungen, die Eingriffe in mehrere Wohlfahrtssysteme erforderten. Die Regierung war bestrebt, die Inflation niedrig zu halten und gleichzeitig Raum für die Tilgung der hohen Staatsverschuldung zu schaffen. Ende der 90er Jahre wurden mehrere Ziele erreicht, zu den ungelösten Problemen gehört jedoch eine für schwedische Verhältnisse ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeit.
Die neue Politik war auf heftige Opposition gestoßen und die Sozialdemokratische Partei erlitt bei der Reichstagswahl von 1998 hohe Verluste. Aber es gelang ihr trotzdem an der Macht zu bleiben, nachdem sie sich die Unterstützung der Umweltpartei sowie der Linkspartei gesichert hatte, die viele traditionell sozialdemokratische Wähler anzog. Die 90er Jahre waren für Schweden ein problematisches Jahrzehnt, in dem sich die politischen Fronten verhärteten. Einer der wichtigsten Gegenstände der Debatte betrifft die Methoden zur Schaffung eines Klimas für ein beständiges Wirtschaftswachstum, das gleichzeitig einen Beschäftigungszuwachs und die Erhaltung der Grundlagen des Wohlfahrtsstaates ermöglicht.
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
 
Schwedische Könige seit 1523
Haus Wasa
Gustav Wasa (Reichsvorsteher 1521) 1523–1560
Erik XIV. 1560–1568
Johan III. 1568–1592
Sigismund 1592–1599
Karl IX. (Reichsvorsteher 1599) 1604–1611
Gustav II. Adolf 1611–1632
Kristina (Vormundschaft 1632–44) 1644–1654

Haus Pfalz
Karl X. Gustav 1654–1660
Karl XI. (Vormundschaft 1660–72) 1672–1697
Karl XII. 1697–1718
Ulrika Eleonora 1719–1720

Haus Hessen
Fredrik I. 1720–1751

Haus Holstein-Gottorp
Adolf Fredrik 1751–1771
Gustav III. 1771–1792
Gustav IV. Adolf (Vormundschaft 1792–96) 1796–1809
Karl XIII. 1809–1818

Haus Bernadotte
Karl XIV. Johan 1818–1844
Oskar I. 1844–1859
Karl XV. 1859–1872
Oskar II. 1872–1907
Gustaf V. 1907–1950
Gustaf VI. Adolf 1950–1973
Carl XVI. Gustaf 1973–
 
 
 
Zurück zur Übersicht
 
 
Text: Svenska Institutet, Stockholm
 

 
Home