LEXIKON
Wollen Sie mehr wissen über Schweden – auch abseits vom Tourismus? Im Lexikon gibt es dazu weitreichende Information. Wie ist die Thronfolge der schwedischen Monarchie geregelt und warum feiert man das Midsommar-Fest? Wie bereitet man einen echten schwedischen Glögg zu und wie fragt man auf Schwedisch nach dem Weg?
LEBENSMITTEL
Ein neues schwedisches Modell:
zuverlässige, einwandfreie Lebensmittel
Ein neues schwedisches Modell: zuverlässige, einwandfreie Lebensmittel
Schweden macht sich gegenwärtig in Europa einen Namen als Hersteller schadstofffreier, zuverlässiger Lebensmittel – einwandfreies Fleisch und Geflügel, tadellose Molkereiprodukte sowie Gemüse, Kartoffeln und Getreide aus ökologischem Anbau. Als Folge der internationalen Lebensmittelskandale wie Rinderwahn und hohe Dioxingehalte in Hühnerfleisch und Eiern, ist das Bewusstsein der Verbraucher bezüglich der Sicherheit immer stärker gewachsen. Schwedische Landwirte und Nahrungsmittelunternehmen betonen nun ihr ökologisches Profil auf dem Markt.
Angespornt durch Anreize der Regierung machen sich die großen Landwirtschafts- und Verbraucherorganisationen an vorderster Front für ein Schwedisches Modell der neuen Art stark, basierend auf humaner Tierhaltung und der »zuverlässigsten Landwirtschaft der Welt«. Schweden hat in der EU für die Beibehaltung seiner strengen Vorschriften gekämpft – so z.B. Salmonellenkontrollen und Verbot von Antibiotika in Futtermitteln – und eine Reihe von Ausnahmen durchgesetzt. Tatsächlich scheint sich die EU immer stärker für das »Schwedische Modell« als gangbaren Weg für die europäische Lebensmittelproduktion zu interessieren.
Ein neues schwedisches Modell: zuverlässige, einwandfreie LebensmittelIn Schweden wurde das öffentliche Bewusstsein über die in der Nahrungsmittelkette zwischen der Gesundheit von Tieren und der von Menschen bestehende Verbindung bereits 1953 wachgerüttelt. Fast 100 Menschen waren einer Salmonellenepidemie, die wohl ihren Ursprung in einem Schlachtereibetrieb hatte, zum Opfer gefallen. Erschrocken griffen die Behörden rigoros ein, 1961 wurden neue und detaillierte Bestimmungen zur Verhinderung der Übertragung von Salmonellen auf den Menschen durchgesetzt. Vor allem aufgrund dieses frühen Einsatzes ist Schweden heute in der Lage, Geflügel, Eier, Schweine- und Rindfleisch zu produzieren, das so gut wie salmonellenfrei ist.
Doch erst in den 80er Jahren wurden Umweltfragen im allgemeinen – darunter auch die ökologische Nahrungsmittelproduktion – in der schwedischen Öffentlichkeit vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Die Menschen begannen sich nicht nur über die Gesundheitsaspekte in Lebensmitteln Gedanken zu machen, sondern auch über die Art und Weise ihrer Herstellung.
Das Interesse an ökologischen und ethischen Aspekten in der schwedischen Landwirtschaft stieg – in welchem Zustand befindet sich die Agrarwirtschaft und wie werden die Tiere in den landwirtschaftlichen Betrieben behandelt?
Anfang der 80er Jahre gab es nur wenige ökologische Landwirte. Die Lieferungen, die sich nur auf Mehl, Kartoffeln und Gemüse beschränkten, erfolgten ohne jegliche Koordination. Die meisten Erzeugnisse wurden von den Landwirten direkt an die Verbraucher weiterverkauft, häufig über von den Verbrauchern selbst eingerichtete Kanäle oder Bioläden. Die großen Nahrungsmittelketten zeigten wenig Interesse an derartigen Erzeugnissen. Die wenigen Lebensmittelgeschäfte, die Produkte aus ökologischem Anbau führten, brachten diese meist – beinahe wie eine Kuriosität – in einer Ecke unter, ohne dafür Reklame zu machen.
Anstieg des ökologischen Markts
Das Interesse der Verbraucher nahm jedoch zu, weshalb sich die Marktbedingungen allmählich änderten. Die Landwirte begannen sich zu organisieren, größere Einzelhändler und Lebensmittelproduzenten, die den Umgang mit zahllosen kleinen Lieferanten nicht gewohnt waren, forderten ein völlig neues Vertriebssystem für ökologische Produkte. Die erste der drei landesweiten ökologischen Erzeugerkooperativen, Samodlarna, wurde gegründet und spezialisierte sich auf Obst, Gemüse und Kartoffeln. Ihr folgten (Anfang der 90er Jahre) Eco Trade, mit Getreide und Ölsaaten als Spezialgebieten sowie Ekokött, das Vertriebskanäle für ökologisch erzeugtes Fleisch koordinierte und weiterentwickelte.
Doch wie wissen die Verbraucher, ob die Produkte auch wirklich ökologisch sind? Was bedeutet eigentlich »ökologisch«? Hierüber herrschte erhebliche Verwirrung, bis schließlich 1985 ein Aufsichtsorgan für Zertifizierung, KRAV, gebildet wurde, das sowohl beim Zentralamt für Landwirtschaft als auch beim Zentralamt für Lebensmittelwesen akkreditiert ist. Zusammen mit dem sehr viel kleineren Demeter, einem Zertifizierungsgremium für den biodynamischen Anbau, wurde das grüne KRAV-Etikett in Schweden bald schon zum Synonym für einwandfreie, zuverlässige Lebensmittel aus ökologischem Anbau. Grundsätzlich dienen Kontrolle und Zertifizierung durch KRAV und Demeter der Sicherung der Glaubwürdigkeit und der Garantie ökologischer Produkte in der gesamten Nahrungsmittelkette, vom Erzeuger bis hin zum Verbraucher. KRAV, nach eigener Aussage die weltweit größte Zertifizierungsorganisation ihrer Art, definiert ökologische Erzeugnisse allgemein als solche Produkte, die ohne Verwendung von chemischem Dünger oder Pestiziden hergestellt wurden, oder bei Geflügel, Fleisch und Eiern etc., ohne die Beigabe von Antibiotika, Hormonen und ähnlichem durch die Tierzüchter. Das Futter soll aus ökologischem Anbau stammen, die Tiere müssen gut behandelt werden. Heute haben die Organisation und ihre Marke weitestgehend Akzeptanz gefunden, sodass sich die meisten Schweden nicht mehr auf »organische Lebensmittel« oder »ökologische Lebensmittel« beziehen, sondern ganz einfach nur noch auf »KRAV Lebensmittel«.
Tierschutz im Brennpunkt
Mit dem Anstieg des ökologischen Bewusstseins in den 80er Jahren wurde auch die Behandlung der Tiere in der Nahrungsmittelproduktion stärker in den Vordergrund gerückt. Die Debatte konzentrierte sich auf die Massentierhaltung insbesondere von Schweinen, und Hühnern in Legebatterien, die Erkrankungen und Stress bei den Tieren zur Folge hatte, und auf die brutale Behandlung der Tiere im Zusammenhang mit Schlachthoftransporten.
Die Tatsache, dass viele Kühe das ganze Jahr über im Stall gehalten wurden, überraschte die Bevölkerung und heizte die Tierschutzdebatte an, deren Anführerin die berühmte und beliebte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren war.
Auch die Verwendung von Wachstumshormonen in der Tierhaltung wurde stark kritisiert. Die Menschen konnten sich nur schwer damit anfreunden, dass gesunde Tiere mit Antibiotika vollgestopft werden sollten. Die Bauernverbände machten einen Rückzieher; 1985 setzte ein neues Gesetz der allgemeinen Praxis der Beigabe von Antibiotika im Futter von Schweinen, Geflügel und Kälbern ein Ende. Die Verwendung von Arzneimitteln zur Verbesserung der Leistung von Rindern war in Schweden niemals erlaubt.
Die Begrenzung des Zugangs der Landwirte zu Arzneimitteln wie Antibiotika wirkte sich auch auf das Wohlergehen der Tiere aus. Wenn den Erzeugern die Möglichkeit genommen wird, mit derartigen Mitteln schlechtes Management und ein nicht adäquates Umfeld zu verschleiern, müssen sie die Situation von Grund auf verbessern, um gesunde Tiere zu erhalten. Sie müssen folglich die Ursache der Probleme erkennen und zu ihrer Lösung beitragen, anstatt einfach die Symptome mit Medikamenten zu bekämpfen.
Das Bekanntwerden der Tatsache, dass Pflanzenfresser wie Rinder und Schafe mit Futter aus Kadavern kranker Tiere sowie eingeschläferter Haustiere und mit Innereien von Schlachthausabfällen gefüttert wurden, führte schließlich 1986 zu einem Gesetz, das die Verwendung solcher Futtermittel für Tiere in der menschlichen Nahrungsmittelkette verbot – eine Glanzleistung, die den schwedischen Erzeugern von Milch- und Fleischprodukten 1990 zugute kam, als die Ursachen für den Rinderwahn aufgedeckt wurden.
Ausbreitung des ökologischen Anbaus
Mit der Einführung eines neuen Tierschutzgesetzes, das die gesunde Tierhaltung in einer natürlichen Umgebung zum Ziel hat, und weiterer wichtiger umweltpolitischer Gesetze, sind die 90er Jahre für die schwedischen Lebensmittelerzeuger und Verbraucher im großen und ganzen eine Zeit der ökologischen Konsolidierung gewesen. Das Jahrzehnt begann mit einem plötzlichen Anstieg der Anzahl ökologischer Landwirtschaftsbetriebe, was sich auf die neuen staatlichen Beihilfen für die Umwandlung in ökologische Anbauflächen und das florierende Interesse der Lebensmittelhändler zurückführen lässt. Das Verhältnis der für den ökologischen Anbau umgewandelten Agrarflächen stieg von 0,5% im Jahre 1989 auf 3,5% im Jahre 1995 an, als ein neues und umfassendes Beihilfepaket für die ökologische Umwandlung als Teil des Umweltprogramms der EU geschnürt wurde. Die Regierung kündigte ein offizielles Ziel von 10% ökologischer Anbauflächen bis zur Jahrtausendwende an. Dies ließ 1998 die Zahlen auf 8,6% schnellen. Selbst wenn diese Zielvorgabe aller Wahrscheinlichkeit nach nicht rechtzeitig erreicht werden kann, wurde es doch allgemein als Stärkung des landwirtschaftlichen Bewusstseins begrüßt.
Interessanterweise gehört der mächtige Zentralverband Schwedischer Landwirte (LRF), traditionell Fürsprecher der konventionellen Landwirte, zu den Organisationen, die sich dem Wandel zum ökologischen Anbau verschrieben haben. Bis Ende 1998 hatte KRAV 2860 Landwirte und 127.000 Hektar Land zertifiziert – sowie 580 Geschäfte, 570 verarbeitende Betriebe und Importeure, 190 gastronomische und industrielle Küchenbetriebe, 17 textilverarbeitende Unternehmen und 2700 Produkte, darunter 900 Importprodukte.
Der Anstieg der ökologischen Anbauflächen hat jedoch nicht zu einer entsprechenden Zunahme der ökologischen Nahrungsmittelproduktion geführt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass große ökologische Anbauflächen aus Weiden und Futterpflanzen bestehen, die nicht unmittelbar mit dem ökologischen Lebensmittelmarkt verknüpft sind. 1997 qualifizierten sich beispielsweise etwa 7% der Agrarflächen Schwedens für die Auszeichnung als ökologische Anbauflächen, doch weniger als die Hälfte (3,4%), wurde tatsächlich von KRAV oder Demeter als für die ökologische Nahrungsmittelerzeugung geeignet anerkannt.
Nichtsdestotrotz ist jetzt eine breite Palette von ökologischen Nahrungsmitteln in so gut wie jedem schwedischen Lebensmittelgeschäft zu finden. Die meisten Supermärkte bieten frische Lebensmittel an, die das Etikett von KRAV tragen. In manchen Fällen haben die Geschäfte mit dem Öko-Label ausgezeichnete Lebensmittel zu einem Wettbewerbsfaktor gemacht, während sich andere widerstrebend der Erfüllung von Verbraucherforderungen oder der allgemeinen Unternehmenspolicy unterwarfen. Jedoch wird ein ökologisches Profil im schwedischen Lebensmittelhandel immer stärker nicht nur als potenziell gewinnträchtig, sondern sogar als essentiell für das langfristige Überleben der gesamten Branche angesehen.
Stärkerer Druck der Verbraucher
Im Juni 1999 gab die verbrauchereigene Kette Grüner Konsum – als Teil der riesengroßen Einzelhandelskooperative KF – eine Verdoppelung des Umsatzes von ökologischen Lebensmitteln in den vergangenen zwei Jahren bekannt und kündigte bis zum Jahresende die ökologische Zertifizierung jedes zehnten Artikels in den Regalen an. Gleichzeitig behauptete sie, dass die Nahrungsmittelindustrie die ökologische Entwicklung verzögerte. Die Nachfrage sei zwei bis dreimal höher als das Angebot. Die Kooperative werde jetzt ihre eigenen Produktionsketten aufbauen, um die Versorgung mit den gefragten Lebensmitteln, darunter vor allem Fleisch, sicherzustellen.
Der Grüne Konsum mit seinen 435 Geschäften ist der größte ökologische Einzelhändler Europas. Er verhält sich immer kritischer gegenüber der einheimischen Lebensmittelindustrie, die dominiert ist von zu wenigen Akteuren in einer nahezu monopolähnlichen Stellung, aber auch gegenüber der Regierung, der Passivität bei der Unterstützung nachgesagt wird. Er warnt davor, dass die Landwirte nicht bereit wären, sich auf die ökologische Produktion umzustellen, wenn die Industrie sich nicht darauf einstellt, diese Produkte anzunehmen. Dies hat weiter zur Folge, dass die Verbraucher den Mangel an ökologischen Produkten leid wären und nicht mehr dort einkaufen wollten.
Mehrere Jahre lang haben sowohl KF als auch die händlereigene ICA-Kette ihre eigenen ökologischen Marken in den Regalen geführt: Änglamark bei KF, und bei ICA die Marken Sunda für Lebensmittel und Skona für technische sowie chemische Produkte. Der Grüne Konsum legt Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau in das selbe Regal wie konventionelle Produkte und kennzeichnet sie klar und deutlich.
Heute hat sich die ökologische Nahrungsmittelproduktion in Schweden über die primären Produkte wie Obst und Gemüse und verarbeitete Erzeugnisse wie Milch, Mehl und Brot hinaus entwickelt und bietet immer weiter verarbeitete Produkte an wie Käse, Babynahrung, Speiseeis, Fleischbällchen und Marmelade.
Ökologische Nahrungsmittel kosten in der Regel viel mehr als entsprechende nicht-ökologische Produkte, doch viele Leute scheinen den Unterschied bezahlen zu wollen. Bei ansteigendem Wettbewerb sind Preissenkungen zu erwarten.
Zuverlässige schwedische Nahrungsmittel über Internet
Der ökologische Export nimmt ständig zu; die schwedische Nahrungsmittelindustrie zeigt dabei insbesondere Interesse an Großbritannien, Deutschland und den BeNeLux-Ländern, wo die Lebensmittelsicherheit ein wichtiges Thema ist. Anfang 1999 wurde in Großbritannien ein neues Modell für landwirtschaftliche Nahrungsmittelprodukte vorgestellt, nämlich das Programm »Von Schwedischen Anbaubetrieben«, welches den britischen Verbrauchern mit Zugang zum Internet die Begleitung des Erzeugnisses vom Bauernhof über den gesamten Verarbeitungs- und Transportablauf bis hin zum Regal im Geschäft ermöglicht. Über eine Web-Adresse auf dem Etikett können sich die Verbraucher zum (qualitätszertifizierten) landwirtschaftlichen Betrieb in Schweden durchklicken, von dem das Erzeugnis stammt.
Das Programm umfasst gegenwärtig etwa 40 Erzeuger von Milch und Schweinefleisch, deren gesamte Produktionsleistung für den britischen Markt bestimmt ist. Ähnliche Programme werden gegenwärtig für weitere europäische Märkte entwickelt, insbesondere für Deutschland, wo die Verbraucher umweltbewusst und gut informiert sind.
Diese Exportkampagnen werden in Schweden begleitet von Maßnahmen zur Entwicklung und Einführung umfassender Qualitätssicherungen und Umweltleistungsplänen in den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Kernpunkte sind hierbei Nachvollziehbarkeit, erstklassige Qualität und explizite Umweltberichterstattung. Die Pläne umfassen die Zertifizierungen nach ISO 9002 und ISO 14001, d.h. internationale Normen, die von den Exportmärkten akzeptiert sind und von den verarbeitenden Betrieben der Nahrungsmittelindustrie selbst angewendet werden. Solche Pläne wurden schon von Exporteuren von Getreide und Korn (Swedish Seal), Schweine- und Rindfleisch von Schlachthöfen (Best In Sweden, BIS) und Gemüse und Kartoffeln (Integrated Production, IP) übernommen. Auch bei Molkereibetrieben wurde ein Umweltbonus oder Prämiensystem bei der Milchproduktion eingerichtet.
Landwirtschaftliche Betriebe
Das Verfahren zur Zertifizierung von Qualitätsprodukten beginnt auf dem Bauernhof mit einem Do-it-yourself-Verzeichnis bzw. einer jährlichen Checkliste, dem sogenannten Öko-Audit. Die Landwirte füllen ein EDV-Formular aus, das neben der Einhaltung der Umwelt- und Tierschutzbestimmungen auch über die für die Landwirtschaft geltenden und sich ständig ändernden Gesetze und Bestimmungen informiert.
Die Behörden akzeptieren selbstverständlich nicht diese Art der Selbstüberprüfung als unanfechtbar und führen ebenfalls Kontrollen in den landwirtschaftlichen Betrieben durch. Doch die Öko-Audits werden als wichtige Vermarktungshilfe sowie als finanzieller Anreiz für die Erzeuger angesehen, da die örtlichen Behörden, die ständig wachsen, ihre regelmäßigen Besuche und Gebühren entsprechend niedrig halten können.
Die Erfüllung eines Öko-Audits wird von der Nahrungsmittelindustrie, vor allem von den milchverarbeitenden Betrieben, immer häufiger als Grundvoraussetzung für eine Zusammenarbeit mit dem betreffenden Landwirt angesehen. Öko-Audits sind ein obligatorischer Bestandteil des Qualitätsprogramms von KRAV, Swedisch Seal und der Schlachtereien.
KRAV-Zertifizierung
Das größte Zertifizierungsgremium für ökologische Produkte, KRAV, ist eine nicht gewinnorientierte Organisation. Alle Firmen, Verbände und andere, landesweit tätige Gremien können dieser Organisation beitreten. Die gegenwärtig aus 24 Mitgliedern bestehende Gruppe umfasst die großen Landwirtschafts- und Einzelhandelskooperativen, Vertriebsketten, verarbeitende Betriebe und Tierschutzgruppen sowie Umweltgruppen, die bei der Einleitung der ökologischen Bewegung einen wesentlichen Beitrag geleistet hatten.
Auf internationaler Ebene ist KRAV ein aktives Mitglied der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements), ein Dachverband, der Landwirte, Wissenschaftler, Ausbilder und Zertifizierer aus der ganzen Welt vereint. KRAV nimmt aktiv an der Entwicklung der IFOAM-Normen teil und versucht ebenfalls, die Gesetzgebung der EU hinsichtlich der ökologischen Produktion zu beeinflussen. Eine Tochter, KRAV Kontroll AB, überwacht die KRAV-zertifizierte Produktion im Ausland, die auch Textilverarbeitung und Fischzucht mit einschließt. Eine ehemalige KRAV-Tochter, Grolink Consulting, hat sich auf Zertifizierungsprogramme für das Ausland, vor allem für die Entwicklungsländer spezialisiert. In Schweden besuchen KRAV-Inspektoren mindestens einmal jährlich die angeschlossenen Firmen und Organisationen, um die Einhaltung der Bestimmungen zu überprüfen. Bei Importen genehmigt KRAV nur solche Erzeugnisse, die schon von anderen, bei der IFOAM akkreditierten Gremien zertifiziert worden sind.
Im Gegensatz zu ähnlichen Organisationen außerhalb der nordischen Länder umfasst KRAV auch die ökologische Tierhaltung und berücksichtigt hierbei ethische Aspekte wie das Bedürfnis der Tiere nach möglichst freiem und natürlichem Leben. In Schweden sollen jetzt alle Kühe im Sommer auf der Weide sein, alle Schweine dürfen frei herumlaufen. Kälber und Schweine müssen Zugang zu Stroh, und genügend Freiraum haben. Schweden ist ferner das erste EU-Land, das Legebatterien verboten hat – Hühner müssen jetzt Zugang zu einem Nest, einer Stange sowie einem Staubbad haben.
Antibiotika und Hormone
Eine der Aufgaben des Zentralamts für Lebensmittelwesen als zentrale Regulierungsbehörde für Lebensmittel ist die Wahrung der Verbraucherinteressen durch sichere Lebensmittel. Im Bericht von 1998 steht, dass schwedische Lebensmittel fast völlig frei von unerwünschten Substanzen wie Antibiotika und Hormonen sind. Von 16.000 Proben, die von dunklem Fleisch, Huhn, Milch, Fisch, Reh und Wild stammten, enthielten lediglich acht Proben von Rind- und Schweinefleisch und nur eine Milchprobe Antibiotika, die über der zulässigen Höchstgrenze lagen. Keine Probe konnte Hormonrückstände aufweisen. 1999 wird die Analyse auch auf Honig und Eier ausgeweitet.
Durch den schwedischen Widerstand gegenüber Arzneimitteln wie Antibiotika in der Tierproduktion konnten auch die resistenten Bakterien in Schweden in Schach gehalten werden, während sie in vielen anderen Ländern immer stärker auftreten und schwere Lungenentzündung, Salmonellen und Tuberkulose verbreiten.
Schweden war in der Tat ausschlaggebend dafür, dass dieses Thema auf die Tagesordnung der EU gesetzt wurde. Die Einführung eines Verbots von Antibiotika als Wachstumsförderer erfährt jetzt breite Unterstützung. Die Weltgesundheitsbehörde, WHO, befasst sich nun mit diesem Thema. Ende 1998 überraschte die Europäische Kommission viele Menschen, als sie sechs von zehn antibakteriellen Futtermittelzusätzen verbot. Im Juni 1999 wurden alle EU-Länder gebeten, die Kontrollen der nichtmedizinischen Anwendung von Antibiotika in Tierfutter zu verschärfen.
An der Hormonfront haben sich schwedische Verbraucher und fast alle Erzeuger lautstark der Einführung von Monsterrindern beispielsweise der Rasse Belgian Blue widersetzt. Das vom Züchter entwickelte defekte Gen verursacht große Probleme beim Kalben und bringt ein schwaches Skelett und weitere Mängel mit sich. Der schwedische Widerstand konzentrierte sich hierbei eher auf die Tierschutzproblematik als auf potentielle Gesundheitsprobleme des Endverbrauchers.
Genetisch veränderte Nahrungsmittel
Genetisch veränderte Organismen (GVO) sind in Schweden erlaubt, doch im Einklang mit den Bestimmungen der EU müssen Lebensmittel, die GVO enthalten, dies auf dem Etikett anführen. Das Zentralamt für Lebensmittelwesen arbeitet an der Entwicklung eines Kontrollsystems zur Überprüfung der Einhaltung, angemessene Laboranalysen sind jedoch bisher noch nicht verfügbar, wenngleich überall in Europa bereits zuverlässige Methoden entwickelt werden. KRAV akzeptiert allerdings keine GVO in der ökologischen Nahrungsmittelproduktion und versucht, jede Phase innerhalb der Produktion und des Vertriebs zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass keine GVO in die Nahrungsmittelkette gelangen. Auch Lebensmittelzusätze wie Soyalezithin, Zitronensäure, Enzyme und Vitamine werden überprüft. Kann ein Lieferant oder Erzeuger auf Anfrage nicht gewährleisten, dass das Produkt frei von GVO ist, wird es nicht genehmigt. KRAV hegt jetzt die Befürchtung, dass der versuchsweise Anbau von genetisch veränderten Früchten wie Ölsaatenraps zu einer Verbreitung modifizierter Gene über das Unkraut auf angrenzende Felder führen könnte.
Ökoessen auf Rädern
Heute ist Schweden, wie KRAV erfreut in seiner Website zu berichten weiß (www.krav.se), ein Land, wo alle Speisewagen der Eisenbahngesellschaft ökologisch zertifiziertes Essen servieren, wo alle Abgeordneten im Restaurant des schwedischen Parlaments in Stockholm KRAV-zertifizierte Speisen essen können und wo McDonald's ökologische Milch serviert.
Gemessen am Prozentsatz der für den ökologischen Anbau genutzten Gesamtfläche, liegt Schweden an zweiter Stelle nach Österreich, dessen alpines Terrain eine großflächige konventionelle landwirtschaftliche Nutzung kaum zulässt. In einigen weiteren europäischen Ländern einschließlich Großbritannien und Frankreich, verlangsamt sich das Wachstum der gegenwärtigen ökologischen Produktion oder stagniert ganz.
Wenn die Ausbreitung der ökologischen Anbaufläche in Schweden mit der Bereitschaft der Landwirte einhergeht, ökologische Primärprodukte zu erzeugen – eine Grundvoraussetzung für die ständig stärker nachgefragten hoch verarbeiteten Nahrungsmittel – und wenn sich zur Stillung der Verbraucheranforderungen eine noch stärker ausgereifte Lieferkette entwickelt, wird nach Meinung der Analytiker die »Vergrünung« der schwedischen Landwirtschaft weiterhin Schritt halten können.
An der Schwelle zum dritten Jahrtausend scheint die internationale Einführung eines neuen schwedischen Modells, das den gleichen Ruf genießt wie das erste und von der Regierung als »zuverlässigste Landwirtschaft der Welt« unterstützt wird, ein ziemlich realistischer Vorschlag zu sein.