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LEXIKON
Wollen Sie mehr wissen über Schweden – auch abseits vom Tourismus? Im Lexikon gibt es dazu weitreichende Information. Wie ist die Thronfolge der schwedischen Monarchie geregelt und warum feiert man das Midsommar-Fest? Wie bereitet man einen echten schwedischen Glögg zu und wie fragt man auf Schwedisch nach dem Weg?
 
LITERATUR DES 20. JAHRHUNDERTS
 
Schwedische Literatur ist auch in Deutschland sehr populär – vor allem Krimis aus Schweden stehen hoch im Kurs
 
 
Einleitung
Strömungen um die Jahrhundertwende
Die Jahre zwischen 1910 und 1920
Die zwanziger und dreissiger Jahre – die Zwischenkriegszeit
Die vierziger Jahre
Die fünfziger Jahre
Die sechziger Jahre
Die postmodernen achtziger Jahre
Die neunziger Jahre
 
 
Einleitung
Die schwedische Literatur eines ganzen Jahrhunderts umfasst natürlich eine große Anzahl literarischer Strömungen: Neuromantik, Flaneurliteratur, Expressionismus, bürgerliche Romane, surrealistische Lyrik, urbane Schilderungen, Gesellschaftskritik, Sozialrealismus, Beschreibungen des Zerfalls des Volksheims und der Schwäche des Individuums.
Auf dieser literarischen Bühne spielen einige Autoren nur eine, dafür aber eine große Rolle, andere verkörpern mehrere Figuren. Verschiedene Stimmen aus unterschiedlichen Epochen, laute oder leise, sprechen zu uns über ihr 20. Jahrhundert.

Strömungen um die Jahrhundertwende
Selma Lagerlöf (1858–1940) und August Strindberg (1849–1912) sind die Giganten, die um die Jahrhundertwende in der schwedischen Literatur den Ton angeben. Strindbergs Röda rummet (dt. Das rote Zimmer), 1879, und Selma Lagerlöfs Gösta Berlings saga (dt. Gösta Berling), 1891, gelten als die ersten modernen schwedischen Romane. Das Werk dieser Autoren beeinflusst die Erzählprosa und die Dramatik des gesamten 20. Jahrhunderts.
Selma Lagerlöfs Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige (dt. Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, 1906-1907, ist ein Spiel mit der schwedischen Geographie, ein Buch, das mehrere Generationen von Schulkindern auswendig konnten. Zwei Jahre später erschien Svenskarna och deras hövdingar (dt. Die Schweden und ihre Häuptlinge), ein historisches Lesebuch von Verner von Heidenstam (1859–1940). Da Strindberg sich ständig in Opposition zu den gesellschaftlichen Kräften befand, genoss Heidenstam den Status des Nationaldichters. Schwedische Geschichte und Neuromantik prägten sein literarisches Schaffen, das mit der Gedichtsammlung Vallfart och vandringsår (Wallfahrt und Wanderjahre), 1888, begann. Nya dikter (Neue Gedichte) von 1915 war sein letztes großes Werk.
Die literarische Strömung des Symbolismus war zu dieser Zeit in Mode. August Strindberg, der auch ein bahnbrechender Dramatiker war, schrieb eine Reihe symbolistischer Dramen. In Ett Drömspel (dt. Ein Traumspiel) kommen die berühmten Zeilen »Es ist schade um die Menschen« vor.
Der führende Lyriker des Symbolismus war Vilhelm Ekelund (1880–1949), einer der ersten schwedischen Modernisten. Er schrieb Gedichte in freien Rhythmen, wandte sich später jedoch Essays und Aphorismen zu.
In der Atmosphäre des Fin de siècle entstand die Flaneurliteratur. Die Helden der Romane Hjalmar Söderbergs (1869–1941) sind desillusionierte Tagediebe, aber der Autor fällt niemals ein moralisches Urteil über ihr häufig dekadentes Tun, was als aufsehenerregend galt. Den allvarsamma leken (dt. Das ernste Spiel) 1912, ist einer der klassischen Liebesromane der schwedischen Literatur und vielleicht der am meisten gelesene. Förvillelser (dt. Verwirrung) und Doktor Glas (dt. Doktor Glas) haben sich auch wegen ihrer anschaulichen Schilderungen Stockholms eingeprägt.
 
 
 
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Die Jahre zwischen 1910 und 1920
Im Geiste Strindbergs entstand nach 1910 eine Literatur, die sich stärker mit gesellschaftlichen Fragen befasste. Frühe Arbeiterdichter waren Maria Sandel, Ludvig Nordström, Martin Koch und Dan Andersson.
Parallel dazu waren Autoren tätig, die das Bürgertum schilderten. Sigfrid Siwertz, Elin Wägner und Hjalmar Bergman wurden zu Gegenstimmen der passiven Flaneurmentalität. Sie beschrieben in ihren häufig leicht zu lesenden Werken das zeitgenössische Schweden im Umbruch von der Agrar- zur Industriegesellschaft.
Hjalmar Bergman (1883–1931), einer der wirklich großen Erzähler der schwedischen Literatur, schrieb Romane und Theaterstücke. Die Kleinstadt schilderte er beispielsweise in dem Roman Markurells i Wadköping (dt. Markurell), 1919, der besonders typisch für ihn ist: auf possenhafte Weise wird eine zeitgenössische schlechte Welt dargestellt. Farmor och vår herre (dt. Großmutter und der Liebe Gott) und Clownen Jac (dt. Jac, der Clown) gehören zu seinen bedeutendsten Romanen.
Elin Wägner (1882–1949) schildert die moderne berufstätige Frau und die schwedische Frauenbewegung, die für das Wahlrecht der Frauen eintrat. Ihre besten Romane sind Norrtullsligan (dt. Die Nordzollliga), Pennskaftet (Der Federhalter) und Åsa-Hanna (Åsa-Hanna).
 
 
 
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Die zwanziger und dreissiger Jahre – die Zwischenkriegszeit
Pär Lagerkvist (1891–1974) war einer der ersten schwedischen modernen Dichter. Die expressionistische Gedichtsammlung Ångest (Angst) war der Beginn der modernen Lyrik in Schweden. Lagerkvists literarisches Werk, zu dem auch Prosa gehört, spielt häufig in der Zeit der Antike und stellt die großen existentiellen Fragen nach der Existenz Gottes und dem Sinn des Lebens. Er war auch Dramatiker und Himlens hemlighet (Geheimnis des Himmels), sein bekanntestes Stück, erinnert an Strindbergs Ett drömspel.
Birger Sjöbergs (1885–1929) Gedicht Kriser och kransar (Krisen und Kränze) ist von der europäischen Moderne inspiriert und erregte bei seinem Erscheinen 1926 großes Aufsehen, einerseits wegen der angsterfüllten expressionistischen Form, andererseits, weil Birger Sjöberg sich früher mit den populären Fridas visor (Fridas Lieder) als Idylliker einen Namen gemacht hatte. Pär Lagerkvists und Birger Sjöbergs lyrische Revolte wurde von den Dichtern der dreißiger und vierziger Jahre wiederaufgenommen.
In der Zwischenkriegszeit traten einige Autoren aus der Arbeiterklasse in Erscheinung: Eyvind Johnson, Vilhelm Moberg, Moa Martinson und Jan Fridegård. Viele von ihnen schrieben autobiographische Romanzyklen im Geist Maxim Gorkis. Eyvind Johnsons (1900–1976) Romanen om Olof (dt. Hier hast du dein Leben) in vier Teilen schildert die Entwicklung eines Arbeiterjungen. Johnson schrieb auch Romane mit historischen Motiven und bezog in Krilonserien (Krilonzyklus) Stellung gegen den Nationalsozialismus.
Der populäre Vilhelm Moberg (1898–1973) erzählt von der schwedischen Provinz und deren Geschichte. Mehrere seiner Romane sind verfilmt worden. So schrieb Jan Troell Filmgeschichte mit dem Auswandererzyklus Utvandrarna (dt. Die Auswanderer), Invandrarna (dt. In der neuen Welt), Nybyggarna (dt. Die Siedler) und Sista brevet till Sverige (dt. Der letzte Brief nach Schweden). Vilhelm Moberg mischte sich auch im Geiste Strindbergs streitlustig in die gesellschaftliche Debatte ein.
Ein weiterer Rebell war Ivar Lo-Johansson (1901–1990), der zur zentralen Gestalt der schwedischen Arbeiterliteratur wurde. Er beschrieb die Gesellschaft der rechtlosen Landarbeiter u.a. in dem Roman Godnatt, jord (dt. Gute Nacht, Erde) und fing die Großstadtmentalität in Romanen wie beispielsweise Kungsgatan (dt. Kungsgatan: Roman einer Straße) ein. Der letztgenannte war ein subversiver Roman, der sich mitten in den dreißiger Jahren, als Bücher verbrannt wurden, mit Prostitution und Geschlechtskrankheiten befaßte.
Von Moa Martinson (1890–1964) erschienen zwanzig Romane über den harten Alltag der Fabrikarbeiterinnen und unfreien Häuslerfrauen. Der autobiographische Zyklus Mor gifter sig (dt. Mutter heiratet), Kyrkbröllop (dt. Kirchliche Trauung) und Kungens rosor (dt. Die Rosen des Königs) sind in den öffentlichen Büchereien Schwedens ständig ausgeliehen.
Zur gleichen Zeit schrieben Agnes von Krusenstjerna, Olle Hedberg und Fritiof Nilsson Piraten eine Reihe bürgerlicher Romane. Agnes von Krusenstjerna (1894–1940) schilderte den »Armenadel« und gestaltete in den Büchern um Tony und im von Pahlen-Zyklus erotisch geprägte Geisteskrankheit. Die Freimütigkeit schuf böses Blut und führte zu heftigen Diskussionen.
Die dreißiger Jahre kündigten sich in der Gedichtanthologie Fem unga (Fünf Junge) von 1929 an. Artur Lundkvist, Harry Martinson, Gustav Sandgren, Erik Asklund und Josef Kjellgren waren Autoren der Sammlung. Die beiden ersteren wurden zu zentralen Gestalten der schwedischen Literaturgeschichte. Inspiriert von Freuds Psychoanalyse blickten sie optimistisch in die Zukunft.
Artur Lundkvist (1906–1991), surrealistischer Lyriker und Prosaist, war während seines ganzen Lebens äußerst produktiv. Außerdem trug er wesentlich dazu bei, Schweden mit internationaler Literatur bekanntzumachen. Harry Martinson (1904–1978) war ein ehemaliger Seemann, der als Vollwaise eine gefährdete Kindheit und Jugend durchlebte. Seine Kindheit beschrieb er im Roman Nässlorna blomma (dt. Die Nesseln blühen). In den dreißiger Jahren wurde er zu einem der führenden schwedischen Naturlyriker. Aber er schrieb auch das Versepos Aniara (dt. Aniara: eine Revue vom Menschen in Zeit und Raum), in dem das Wettrüsten und die galoppierende technische Entwicklung desillusioniert geschildert werden. Es wurde später auch vertont und als Oper aufgeführt.
Viele Schweden können Gedichtzeilen von Karin Boyes (1900–1941) zitieren. Sie war von der Moderne und der Psychoanalyse inspiriert und gehörte den kulturradikalen Kreisen an. Der Zukunftsroman Kallocain, 1940, (dt. Kallocain) kritisiert das nationalsozialistische Deutschland.
Die dreißiger Jahre brachten tonangebende Lyriker wie Johannes Edfelt, Hjalmar Gullberg und Nils Ferlin hervor. Im Jahr 1932 debütierte der vielleicht bedeutendste schwedische Lyriker, Gunnar Ekelöf (1907–1968). Sent på jorden (Spät auf der Erde) wurde als erste schwedische surrealistische Gedichtsammlung bezeichnet. Gunnar Ekelöf schrieb sowohl einfache, unmittelbare als auch experimentelle Gedichte, die häufig von orientalischen Einflüssen geprägt waren. Er zertrümmerte die Buchstaben, um eine neue Sprache zu finden, die mit der zersplitterten Wirklichkeit besser übereinstimmte.
 
 
 
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Die vierziger Jahre
1945 wurde zu einem literarischen Grenzjahr. Viele Dichter hatten den Krieg in wunder Erinnerung. Pessimismus herrschte, Themen wie Angst und Schuld waren allgegenwärtig. Die modernistischen Strömungen hatten sich erst jetzt richtig durchgesetzt. Die entstehende neue Literatur wurde immer experimenteller. Es gab eine Diskussion nach der anderen über die Unverständlichkeit der Literatur.
Vor allem Lars Ahlin (1915–1997) vertrat den Aufbruch gegen die realistisch abgebildete Wirklichkeit. Er schilderte lieber eine assoziative Welt, wie beispielsweise in dem Roman Om (Über), 1946, und im späteren Natt i marknadstältet (dt. Nacht im Marktzelt). Nach einer Pause von vielen Jahren erschien Anfang der achtziger Jahre wieder ein Roman von ihm, und er schrieb dann bis zu seinem Tod.
Eines der jungen, zu früh verstorbenen Genies war Stig Dagerman (1923–1954). Schuld und Angst waren die Themen, um die seine symbolistischen und grotesken Romane kreisten, z.B. Ormen, 1945, (dt. Die Schlange), De dömdas ö (dt. Die Insel der Verdammten), Bränt Barn (dt. Gebranntes Kind) und Bröllopsbesvär (dt. Schwedische Hochzeitsnacht). Seine Qualitäten als Dramatiker wurden u.a. auch in dem Stück Den dödsdömde (Der zum Tode Verurteilte) deutlich.
Führende Vertreter der Lyrik der vierziger Jahre waren Erik Lindegren und Karl Vennberg. Erik Lindegrens (1910–1968) Gedichtsammlung Mannen utan väg (Mann ohne Weg), 1942, mit den »zersprengten Sonetten« stieß bei vielen Kritikern auf wenig Verständnis. Lindegren wollte mit der fragmentarischen Form eine brüchige Gegenwart wiedergeben. Inspiriert wurde er von den französischen Surrealisten sowie von der verdichteten Bildsprache Eliots und Pounds. Vinteroffer (Winteropfer), 1954, war seine letzte Gedichtsammlung.
Karl Vennbergs (1910–1995) Lyrik, die an Eliot erinnert, enthält eine ähnliche Zeitkritik wie die Lindegrens. Vennberg war ein analytischer Skeptiker und bestrebt, poetische und politische Wahrheiten zu überprüfen. Er debütierte 1937 mit Hymn och hunger (Hymne und Hunger) und schrieb bis zu seinem Tod Gedichte.
Einer der Adepten Karl Vennbergs war der Modernist Werner Aspenström (1918–1997), der auch als Dramatiker erfolgreich war. Ihm gelang 1946 mit der Sammlung Skriket och tystnaden (Der Schrei und die Stille) der Durchbruch, aber er wurde vielleicht vor allem mit den fünfziger Jahren in Zusammenhang gebracht. Er ist einer der am meisten gelesenen schwedischen Lyriker und war bis zu seinem Tode produktiv.
In den vierziger Jahren machte auch eine Reihe weiblicher Autoren auf sich aufmerksam. Die Lyrikerin und Prosaschriftstellerin Elsa Grave (geb. 1918) schrieb ein deftig groteskes und wütendes Gedicht über Themen von der Mutterschaft bis zur Atomwaffenbedrohung. Rut Hillarp (geb. 1914) schuf eine Art erotischen Surrealismus mit Frauenfiguren aus der antiken Mythologie. Sie wurde zum Vorbild für mehrere literarisch tätige Frauen.
Stina Aronson (1892–1956) gelang der literarische Durchbruch mit dem modernistischen Roman Hitom himlen (Diesseits des Himmels), 1944, der auch beim Publikum gut ankam. In ihm geht es um einsilbige Frauen auf dem kargen Bauernland Nordschwedens.
Die weibliche Identität zieht sich auch wie ein roter Faden durch das Werk Ulla Isakssons (geb. 1916), die 1940 debütierte. Ihre Darstellung der Mütterlichkeit im Roman Paradistorg (Paradiesmarkt), 1973, erschien vielen Feministinnen als überholt, was Anlaß zu Diskussionen gab. Sie hat Drehbücher für Ingmar Bergman geschrieben, u.a. Die Jungfrauenquelle, und 1994 erschien ihr vielbeachteter autobiographischer Roman, Boken om E (Das Buch über E), der von ihrer Beziehung zu ihrem sterbenden Mann handelt.
 
 
 
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Die fünfziger Jahre
Die Literatur der fünfziger Jahre knüpft an die vierziger Jahre an, ihre spielerische Verwendung von Ironie und Idylle ist jedoch ausgeprägter. Vielen Autoren wird vorgeworfen, sie haben die Weltgeschehnisse außer acht gelassen. Die Aufrüstung mit Atomwaffen, der Kalte Krieg und die Koreakrise werden in der Literatur kaum behandelt.
Lars Forssel (geb. 1928) hat in seiner Dichtung, anfangs inspiriert von Ezra Pound, verschiedene Genres und Identitäten ausprobiert. Die Lyrik Forssells, die sich zwischen einfacher Volkstümlichkeit und avancierter Metaphorik bewegt, prägte die Dichtung der fünfziger Jahre. Aber noch heute ist das Erscheinen eines neuen Buches von Forssell ein literarisches Ereignis. Lars Forssell erneuerte auch gemeinsam mit Pär Rådström (1925–1963) das politische Theater. Der letztere wurde mit seinen Romanen, die urbane Milieus und Jargons schildern, zur Inkarnation des Zeitgeistes der fünfziger Jahre.
Zu den international bekannten schwedischen Lyrikern gehört Tomas Tranströmer (geb. 1931). Seit seinem Debüt mit 17 dikter (17 Gedichte), 1954, bis zu Sorgegondolen (Trauergondel), 1996, ist seine kühne Bildsprache von Bedeutung. Er fiel jedoch in Ungnade, als in den sechziger und siebziger Jahren das politische Gedicht ein Muß wurde.
Das schriftstellerische Werk Willy Kyrklunds (geb. 1921) erlebte in den neunziger Jahren eine Renaissance. Er debütierte 1948, häufig diente ihm der Orient als Inspiration für seine philosophischen Romane und Novellen. Solange (Solange) und Mästaren Ma (Meister Ma) sind zwei seiner Meisterwerke.
Die Autoren Lars Gyllensten und Tora Dahl, wie auch die Lyriker Majken Johansson, Göran Printz-Påhlson, Folke Isaksson, Bo Setterlind und Sandro Key-Åberg waren in den fünfziger Jahren ebenfalls von großer Bedeutung. Zu den großen Namen gehört die immer noch produktive Birgitta Trotzig (geb. 1929), die ihren Ruf mit dem Roman De utsatta (Die Ausgesetzten), 1957, begründete. In ihrem schriftstellerischen Werk steht immer eine religiös geprägte, existentielle Problematik im Mittelpunkt.
Sara Lidman (geb. 1923) war mit Tjärdalen (dt. Der Teermeiler), 1953, auf Anhieb erfolgreich. Dieser Roman spielt unter Kleinbauern in der Provinz Västerbotten und ist in einer dialektalen Sprache geschrieben. Lidmans Debüt kündigte die politischen sechziger Jahre mit ihrem Engagement für die Armen und Unterdrückten der Welt an. Nach dem Erscheinen vieler Bücher, u.a. jernbaneeposet (Eisenbahnepos), verstummte sie mehrere Jahre, bis 1996 ihr von der Kritik gefeierter Roman Lifsens rot (Wurzel des Lebens) erschien.
 
 
 
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Die sechziger Jahre
Die gesellschaftskritische Literatur entwickelt sich. Die Weltpolitik wird sichtbar, die westliche Kultur wird in Frage gestellt und die Vietnambewegung entsteht. Das Interesse für den Marxismus wächst, und die Literatur wird leichter verständlich. Die neue literarische Welle der nichtfiktionalen Genres wie Bericht und Reportage erlebt Anfang der siebziger Jahre ihren Höhepunkt.
Von Jan Myrdal (geb. 1927) erschien Rapport från en kinesisk by, (dt. Bericht aus einem chinesischen Dorf) 1963, und Sven Lindqvist berichtete aus Lateinamerika und Asien. Von Sara Lidman wurden Samtal i Hanoi (dt. Gespräch in Hanoi), 1966, und Gruva (Bergwerk), 1968, herausgegeben, das Interviews mit Bergleuten enthält.
Per Wästberg (geb. 1933) debütierte bereits 1949 als frühreifer Fünfzehnjähriger und engagierte sich in den sechziger Jahren gegen die Rassendiskriminierung in Rhodesien und Südafrika. Das Interesse für Afrika hatte Berichtanthologien und mehrere Abrisse über afrikanische Literatur zur Folge. Wästberg ist auch für seine Romantrilogie im Stockholmer Milieu bekannt. Vattenslott (Wasserschloß), 1968, Luftburen, (dt. Gelöste Liebe) 1969, und Jordmånen (Erdreich), 1972, sind Sittenschilderungen der Liebe in der Großstadt.
Dem Lyriker Göran Sonnevi (geb. 1939) gelang 1965 der Durchbruch mit der Anthologie Ingrepp – modeller (Eingriff – Modelle), die das bekannte Gedicht Om kriget i Vietnam (Über den Krieg in Vietnam) enthält. Seine politisch und sozial bewußte Lyrik trug ihm zehn Jahre lang die Bezeichnung »Lyriker der neuen Linken« ein. Die fast 300 Seiten umfassende Gedichtsammlung Mozarts tredje hjärna (Mozarts drittes Hirn), 1996, beweist, dass Sonnevi immer noch zu den wirklich großen schwedischen Lyrikern zählt.
Anfang der sechziger Jahre gab es eine kurze modernistische Welle mit avantgardistischen Formexperimenten. Bengt Emil Johnson (geb. 1936) befaßte sich in der Sammlung Hyllningarna (Ehrungen), 1963, als erster in Schweden mit konkretistischer Lyrik. Ihm folgte Åke Hodell (geb. 1919), der sich in Igevär (Ans Gewehr), 1963, und General Bussig (General Nett), 1964, über den Militarismus lustig macht.
Sonja Åkesson (1926–1977) debütierte 1957 und schrieb »neueinfache« gesellschaftskritische Gedichte über die Bedingungen von Frauen in alltäglichen Umgebungen ohne kulturelle Anregungen. Leva livet (Das Leben leben), 1961, und Husfrid (Häuslicher Frieden), 1963, inspirierten beispielsweise Kristina Lugn und Bodil Malmsten, die in den achtziger und neunziger Jahren bedeutende Lyriker wurden.
Die gesellschaftskritischen Stücke Flotten (Das Floß), Sandlådan (Der Sandkasten) und Hemmet (Das Zuhause), die Kent Andersson (geb. 1933) und Bengt Bratt (geb. 1937) für die Bühne der sechziger Jahre schrieben, sind Geschichte geworden. Die Stücke entstanden, auf zeitgemäße Weise, in Teamarbeit mit den Schauspielern.
Per Olov Enquist (geb. 1934) schrieb Dokumentarprosa und experimentelle Romane. Hess (Hess), 1966, ist ein fragmentarischer Metaroman und Legionärerna (dt. Die Ausgelieferten), 1968, schildert fiktiv und dokumentarisch die Ausweisung von Balten aus Schweden in die Sowjetrepubliken. Enquist schrieb später episch angelegte Romane wie Musikanternas uttåg (dt. Auszug der Musikanten) und Kapten Nemos bibliotek (dt. Kapitän Nemos Bibliothek). Mitte der siebziger Jahre war Enquist auch als Theaterautor erfolgreich. Mit Tribadernas natt (dt. Die Nacht der Tribaden) und Från regnormarnas liv (dt. Aus dem Leben der Regenwürmer) wurde er neben Lars Norén ein international bekannter schwedischer Theaterautor.
Der Dramatiker Lars Norén (geb. 1944) debütierte als Lyriker mit halluzinatorischen, surrealistischen Gedichten. Stupor (Abgründe), 1968, ist eine Collage gewalttätiger, weltpolitischer Bilder, die u.a. Tod und Schuld thematisieren.
Ein großer schwedischer Erzähler ist auch Sven Delblanc (1931–1992), der 1962 debütierte. Mit Hedebysviten (Hedebyzyklus), einem auf dem Bauernland der Provinz Sörmland angesiedelten Romanzyklus, wurde er populär, der erste Teil Åminne (Gedenken) erschien 1970.
Per Anders Fogelström (geb. 1919) ist ein weiterer vielgelesener epischer Erzähler. Mit einem Romanzyklus, in dem er die Geschichte einer Arbeiterfamilie von den 1860er Jahren bis in die Gegenwart nachzeichnet, hat er ein bedeutendes historisches Dokument geschaffen.
Sara Lidmans jernbaneepos (Eisenbahnepos), das die Kolonisierung Norrlands Ende des 19. Jahrhunderts beschreibt, gehört zu den sprachlich innovativen Romanen der schwedischen Literatur. Göran Tunströms (geb. 1937) intensiv phantasievolles literarisches Werk erinnert an Selma Lagerlöf. Mit dem Roman Prästungen (Kind des Pastors), 1976, kreiste Tunström sein literarisches Universum, den Ort Sunne in Värmland, ein. In den achtziger Jahren erschien der Roman Juloratoriet (dt. Solveigs Vermächtnis), der kürzlich verfilmt wurde. Skimmer (Skimmer), 1996, der auf dem Island der Sagas spielt, war sein sehnlich erwartetes Comeback als Romanautor.
Ein Synonym für die »jungen siebziger Jahre« war Ulf Lundells (geb. 1949) Romandebüt Jack (Jack) von 1976, der ein Bestseller wurde. Mehrere Romane Lundells – ein später Beat-Autor – sind gleichzeitig Gegenwartsschilderungen und Selbstbespiegelungen, und er ist eine ständige Inspirationsquelle für Autoren in spe. Aber noch in den neunziger Jahren suchen die Verlage vergebens nach einem würdigen Nachfolger.
 
 
 
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Die postmodernen achtziger Jahre
Stig Larssons (geb. 1955) Autisterna, (dt. Die Autisten) 1979, wurde zur Speerspitze der postmodernen achtziger Jahre. Als Lyriker, Prosaist und Dramatiker wurde er eine zentrale Gestalt der jungen Literatur dieses Jahrzehntes. Die breit angelegte, gesellschaftskritische Epik verschwand und machte dünnen Prosawerken von etwa hundert Seiten Platz. Das pflichtschuldige gesellschaftliche Engagement der siebziger Jahre gab es nicht mehr, aber der Identitätsverlust der Romanfiguren und die fragmentarische Form spiegelten trotzdem ein Gesellschaftssystem, ein Volksheim im Zerfall.
Wie in den vierziger Jahren gab es Diskussionen über die Unverständlichkeit und die unmoralische Haltung der Literatur. Die Jungen wurden als weltabgewandte und blutleere Akademiker abgetan. Autoren wie Stig Larsson, Carina Rydberg, Alexander Ahndoril und Magnus Dahlström schilderten Gewalt und Bosheit ohne moralisch Stellung zu beziehen.
Die formbewussten achtziger Jahre wurden vor allem zu einem Jahrzehnt der Lyrik. Tobias Berggren (geb. 1940) war seit den siebziger Jahren ein bedeutender Lyriker, weitere wichtige Namen sind Gunnar D. Hansson, Arne Johnsson und Magnus William-Olsson. Aber besonders Lyrikerinnen wie Katarina Frostenson (geb. 1953), Ann Jäderlund (geb. 1955) und Birgitta Lillpers (geb. 1958) trugen zur Erneuerung der Lyrik bei.
Lars Norén avancierte in den achtziger und neunziger Jahren als Nachfolger Ingmar Bergmans zum Nationaldramatiker. 1980 wurde die Trilogie Modet att döda (Mut zu töten) aufgeführt, eine Art bürgerlich klaustrophobischer Dramatik mit einem Schuß Tschechow. In den neunziger Jahren kehrt der Dramatiker Norén zurück in das Milieu der von der Gesellschaft Ausgestoßenen, das er in den sechziger Jahren als Lyriker und Prosaist beschrieb.
 
 
 
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Die neunziger Jahre
Das Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende hat keine deutlichen Fingerabdrücke hinterlassen. Die neunziger Jahre lassen sich nicht definieren, die Ausdrucksformen sind vielfältig und fließen in alle Richtungen.
Es gibt jedoch eine schwache Tendenz extrovertierter zu schreiben, hier und da ist ein beginnendes gesellschaftliches Engagement zu erkennen. Die Lyrik neigt zur Gestaltung alltäglicher Milieus und weniger zum sprachlichen Experiment. Der Lyriker Göran Greider (geb. 1959) schlug mit seiner Gedichtsammlung När fabrikerna tystnar (Wenn die Fabriken still werden) den Ton an.
Auch in der Prosa wird wieder sozialrealistisch und dokumentarisch erzählt. Robert Kangas (geb. 1951) nimmt mit seinen düsteren sozialpsychologischen Romanen und Novellen eine Sonderstellung unter den Autoren ein, die Ende der achtziger Jahre in Erscheinung traten.
Die Autobiographie und die Bekenntnisliteratur befinden sich im Aufwind. Unter anderem erschien von Peter Kihlgård (geb. 1954), der sich als Meister des Fabulierens einen Namen gemacht hat, Anvisningar till en far (Anweisungen für einen Vater), 1996, eine prosalyrische Schilderung seiner Kindheit und Jugend.
Auch Björn Ranelid (geb. 1949) gibt in Till alla människor på jorden och i himlen (An alle Menschen auf der Welt), 1997, Kindheitserinnerungen wieder. Als einem der wenigen Autoren, die in den achtziger Jahren debütierten, gelang es ihm, einen breiten Leserkreis zu erreichen und gleichzeitig vom Feuilleton anerkannt zu werden.
Zu einigen voneinander sehr verschiedenen Autoren, die bereits früher debütiert hatten und in den neunziger Jahren ihre Positionen festigen konnten, zählt u.a. Sigrid Combüchen (geb. 1942), die mit dem Roman Byron (dt. Byron) bekannt wurde und sich in dem raffiniert angelegten Roman Långa och korta kapitel (Lange und kurze Kapitel) wieder als geistreiche Erzählerin erweist.
Torgny Lindgrens (geb. 1938) legendenhafter und grotesker Roman Hummelhonung (dt. Hummelhonig) trägt Spuren eines seiner früheren Meisterwerke Ormens väg på hälleberget (Weg der Schlange auf dem Felsen) von 1982.
Die Lyrikerin und Dramatikerin Agneta Pleijel (geb. 1940) begann in den achtziger Jahren Romane zu schreiben und war mit dem philosophischen Roman Fungi (Fungi) erfolgreich.
In den letzten Jahren konnte auch Inger Edelfeldt (geb. 1956) ihre Position als bedeutende Autorin festigen. Sie betritt das Bewußtsein schwacher Individuen und zeigt, wie deren innerste Wünsche mit der Wirklichkeit kollidieren. Ihre letzte Novellensammlung Den förunderliga kameleonten (dt. Helenas Freier Tag) erregte große Aufmerksamkeit.
Kerstin Ekmans Händelser vid vatten, 1993, (dt. Geschehnisse am Wasser), das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ist einer der erfolgreichsten und von der Kritik am meisten gelobten Romane der neunziger Jahre.
 
 
 
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Text: Anneli Jordahl; Svenska Institutet, Stockholm; Übersetzung: Margaretha Tidén
 

 
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