LEXIKON
Wollen Sie mehr wissen über Schweden – auch abseits vom Tourismus? Im Lexikon gibt es dazu weitreichende Information. Wie ist die Thronfolge der schwedischen Monarchie geregelt und warum feiert man das Midsommar-Fest? Wie bereitet man einen echten schwedischen Glögg zu und wie fragt man auf Schwedisch nach dem Weg?
NATIONALPARKS
Tosende Gewässer im Sarek-Nationalpark Foto: Svenska Institutet, Patrick Trädgårdh
Einleitung
Die reine natürliche Schönheit der Nationalparks hat immer schon ein Gefühl des Erstaunens hervorgerufen. Heute zeichnen sich die Parks auch aufgrund ihres außergewöhnlichen Stellenwerts als gesellschaftliche Einrichtung aus. In einer Zeit, die gekennzeichnet ist von Privatisierungen, Marktbeherrschung und den Zwängen, natürliche Ressourcen zu erschließen, bilden die Nationalparks eine Ausnahme. Die Schaffung von Nationalparks sieht bestimmte Ressourcen als öffentliches Eigentum vor, das vor dem unabdingbaren Lauf der wirtschaftlichen Entwicklung geschützt und von den zerstörerischen Zwängen der Märkte ferngehalten wird. Doch können Parks diesen Sonderstatus bewahren und der finanziellen Entwicklung, aber auch den durch übermäßige Besucherzahlen und Auswirkungen auf die Umwelt drohenden potentiellen Gefahren widerstehen?
Die Entwicklung der schwedischen Nationalparks
1909 billigte das schwedische Parlament (Riksdag) die Bildung von zehn Nationalparks, nicht nur die ersten in Schweden, sondern sogar in Europa. Neun dieser Parks entstanden im darauffolgenden Jahr – Abisko, Stora Sjöfallet, Sarek, Pieljekaise, Sånfjället, Hamra, Garphyttan, Ängsö und ein Teil der Insel Gotska Sandön. Diese neue Gesetzgebung war Teil eines umfangreichen Naturschutzgesetzes; mit einem weiteren Gesetz wurde der Schutz auch auf kleinere Naturgebiete ausgedehnt. Diese Maßnahmen lassen sich auf die Einrichtung der amerikanischen Nationalparks, die deutschen Bemühungen zur Erhaltung von Naturschutzgebieten und das Engagement des Forschers A.E. Nordenskiöld für die Nationalparks in Skandinavien zurückführen.
1904 unterstützte das schwedische Parlament den Vorschlag Karl Starbäcks zum Schutz der Naturschätze Schwedens, doch die Umsetzung ließ noch bis 1907 auf sich warten, als das Landwirtschaftsministerium eine Expertengruppe zur Ausarbeitung der Grundzüge dieses neuen Gesetzes einsetzte. Obwohl sich dieser Ausschuss die Anregungen von Wissenschaftlern und Forstbeamten aus dem ganzen Land zu Nutzen machte, führte er keineswegs eine systematische Bestandsaufnahme des Landes durch oder stellte allgemeine Kriterien für die Schaffung von Parks auf. Der Ausschuss beschränkte sich auf den öffentlichen Grundbesitz und wählte eine vor allem auf Anregungen der Forstleute basierende heterogene Gruppe von Flächen aus. Mit dieser endgültigen Auswahl erhielt das System der Nationalparks eine noch heute bestehende Form, eine Vielfalt von Gebieten unter besonderer Berücksichtigung des gebirgigen Nordens.
In Schweden ist nie eine nationale Parkverwaltung eingerichtet worden. Stattdessen wurde in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Parks die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften mit der Leitung der Parks betraut. Da die Regierung so gut wie keine Mittel zur Verfügung stellte, sah sich die Akademie gezwungen, die Parks im wesentlichen auf freiwilliger Basis zu verwalten. Verständlicherweise konzentrierte sich die Akademie eher auf wissenschaftliche Fragen als auf finanzielle oder fremdenverkehrstechnische. Der damaligen wissenschaftlichen Lehre entsprechend, unterstützte die Akademie eine passive Strategie der Verwaltung, nämlich »die neuen Parks einfach der Natur zu überlassen«. Innerhalb weniger Jahrzehnte begannen sich die Gefahren dieses Ansatzes abzuzeichnen. Ängsö und Garphyttan, einst kultivierte Landschaften und für ihre reichhaltige Pracht wilder Blumen berühmt, waren bald von Unkraut und Büschen bewachsen, die die eigentlich vom Park zu schützende Flora erstickten! Erst nach weiteren Jahrzehnten und Veränderungen in der administrativen Verantwortung konnte eine aktivere und effizientere Strategie verfolgt werden. Eine veränderte Sprache bestätigte diesen neuen Ansatz. Als die Umweltfragen in den 60er Jahren ihren Einzug in die schwedische Politik machten, begannen die Politiker von naturvård anstatt von naturskydd zu sprechen, von der Naturpflege anstatt vom Naturschutz.
Das schwedische Parksystem erlebte in seinen ersten Jahren alle Höhen und Tiefen. Fünf neue Parks kamen hinzu – Dalby Söderskog (1918), Vadvetjåkka (1919), Norra Kvill und Blå Jungfrun (1926), sowie Töfsingdalen (1930). Mit der möglichen Ausnahme von Blå Jungfrun, einer kargen, mit Spenden des Industriemagnaten Torsten Krueger erworbenen Ostseeinsel, verfügten weder diese noch die ursprünglichen neun Parks über erhebliche finanzielle Ressourcen – Stora Sjöfallet in den Bergen von Lappland ausgenommen. Seine große Anziehungskraft, ein majestätischer Wasserfall, lockte die staatliche Wasserkraftgesellschaft und ihre Befürworter an. 1910 genehmigte die Regierung die Errichtung eines Kraftwerks in Porjus, um die Entwicklung der Bergwerke und einer Eisenbahn in Nordschweden zu fördern; die Pläne der Ingenieure sahen wahrscheinlich einen Ausbau der Anlage voraus, die den Nationalpark erheblich beeinträchtigen würde. Im entbehrungsreichen Jahr 1917 des ersten Weltkriegs kapitulierte die Akademie der Wissenschaften vor den wirtschaftlichen Argumenten, die für einen Ausbau als Potenzial enormer wirtschaftlicher Gewinne sprachen, um der nachteiligen geographischen Lage Schwedens begegnen zu können. Nach nur geringfügigen Überlegungen billigte der schwedische Reichstag den Ausbau. Angesichts einer bevorstehenden Überflutung des Areals mussten die Grenzen des Parks neu gezogen werden, um die geschädigten Flächen auszuschließen! Weitere Eingriffe erfolgten bis zum sogenannten »Frieden von Sarek« im Jahre 1961, als die Verfechter der Wasserkraft als Gegenleistung für manche endgültige Konzessionen die Schaffung des Nationalparks von Padjelanta und eine Begrenzung der weiteren Erschließung der frei fließenden Flüsse akzeptierten. Diese Geschichte zeigte, dass ohne die Hilfe eines mächtigen politischen Konsens sogar das öffentliche Eigentum innerhalb der Nationalparks in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Noch 1962 konnte eine Studienkommission der Regierung schreiben, dass die erhaltenen Parks und Naturreservate »wegen ihrer schlechten Zugänglichkeit, ihres geringen wirtschaftlichen Werts oder aus anderen Gründen, die nichts mit dem Umweltschutz zu tun haben, nur Überbleibsel sind.«
Umwelt- und Erhaltungsfragen wurden während der in den 30er Jahren vorherrschenden Depression und während des zweiten Weltkriegs in den Hintergrund gedrängt. In den 50er Jahren verwarf die schwedische Regierung die Idee einer eigenen Behörde, die sich mit den Umweltfragen befassen sollte. Doch die rasch erfolgte Industrialisierung Schwedens und die damit einhergegangene intensive Erschließung der Natur führte 1963 zunächst zur Bildung der Staatlichen Umweltschutzbehörde und 1967 des Staatlichen Amts für Umweltschutz an deren Stelle. Valfrid Paulsson, 1967–1991 Direktor dieses Amts, erinnert sich daran, wie der Druck auf die Einrichtung dieses Amts und die Beschäftigung mit unmittelbaren Problemen wie Recycling, Luft- und Wasserverschmutzung, sowie die Erhaltung ländlichen Raums in den ersten Jahren des Bestehens Vorrang vor den Fragen der Nationalparks hatten. Das Amt konzentrierte sich stattdessen auf den Erwerb von Naturreservaten, eine weniger restriktive Methode der Erhaltung natürlicher Ressourcen. (1997 hatte Schweden 6423 qkm als Nationalparks ausgewiesen und 27.493 qkm als Naturreservate, was etwa 8% der Fläche des Landes entspricht.)
Der Nationalparkplan und seine Umsetzung
Das Umweltschutzamt erhielt 1976 formell die Verantwortung für die Verwaltung der Nationalparks, ein Schritt, der sowohl die zukünftige Tragweite der Umweltfragen und den Beginn des modernen Zeitalters in der Nationalparkverwaltung beinhaltete.
Damals war das System auf 16 Nationalparks angewachsen, wobei zwischen 1930 (Töfsingdalen) und 1982 (Store Mosse) nur zwei neue Parks hinzugekommen waren, nämlich 1942 Muddus und Padjelanta 1963. Bald sollte sich vieles ändern.
Neue Parks, die auf ausführlichen staatlichen und regionalen Bestandsaufnahmen von genutztem Land und potentiellen Parklandschaften in den 60er und 70er Jahren basierten, kamen in den 80er Jahren hinzu. 1989 veröffentlichte das Amt den Nationalparksplan för Sverige (Nationalparkplan für Schweden), ein Aktionsprogramm mit einer neuen Strategie für die Parks.
Der Plan beruhte auf den 1986 gebilligten, auf internationalen Standards basierenden Kriterien, wonach Nationalparks unter anderem eine große Fläche umfassen (normalerweise mindestens 1000 ha), relativ unberührt und landschaftlich reizvoll gelegen sein sowie »aus repräsentativen oder für die schwedische Landschaft einzigartigen Flächen in einem das gesamte Land abdeckenden System bestehen sollen.« Zwei neuartige Charakteristika zeichnen sich hier ab – die Betonung einer gleichmäßigeren Verteilung der Parks auf das gesamte Land und die Betonung der repräsentativen Landschaften, die eher typische als einzigartige Merkmale bewahren sollten (und die als Referenzgebiete für ähnliche Landschaften in anderen Landesteilen dienen könnten). Der Plan sah die Einrichtung weiterer zwanzig Parks, die Überprüfung von sieben, und die Umwandlung dreier Parks und Teile eines vierten in ein Naturreservat vor.
Nach völliger Umsetzung dieses Plans würde die Anzahl der Parks von bereits 20 bestehenden auf insgesamt 33 ansteigen. Die gesamte Parkfläche würde sich fast vervierfachen und etwa 5% der Fläche des Landes umfassen. Seit 1990 entstanden fünf neue Parks (Björnlandet, 1991; Djurö, 1991; Tyresta, 1993; Haparanda Skärgård, 1995; sowie Tresticklan, 1996), ein sechster Park, Norra Kvill, wurde behutsam erweitert. Drei weitere Parks, nämlich Fulufjället, Skäralid und Jämtlandsfjällen stehen kurz vor ihrer Vollendung. Am 10. September 1998 hat der schwedische König Carl XVI. Gustaf den 26. Nationalpark Schwedens, Färnebofjärden, eingeweiht, ein wildes, feuchtes und biologisch artenreiches Gebiet im unteren Dalaflußbecken. Der Erwerb weiterer Parks lief je nach Verkaufsbereitschaft privater Landbesitzer mehr oder weniger erfolgreich ab. Angesichts der für den Erwerb großer privater Flächen erforderlichen Summen und Einsätze, der ablehnenden Haltung des Amts, von seinen Befugnissen als bedeutende Domäne Gebrauch zu machen, und der Zurückhaltung bei der Schaffung von nicht in völligem Staatsbesitz befindlichen Parks, sind diese Errungenschaften beeindruckend. Dahingegen ist das Ziel, kleine Parks in Naturreservate umzuwandeln, auf vorhersehbare politische Hindernisse gestoßen und wurde als nicht der Mühe wert zu den Akten gelegt.
Der umstrittenste und erfolgloseste Versuch bezieht sich auf den visionären Plan eines ausgedehnten Gebirgsparks im hohen Norden, dem Kirunafjällen. Dadurch würden die bestehenden Parks Abisko und Vadvetjåkka mit weitläufigen neuen Gebieten im Süden verschmelzen und ein neuer Park entstehen, dessen Fläche mehr als zweimal so groß ist wie die Größe jedes bereits bestehenden Parks in Schweden. Das Projekt Kirunafjällen sah die Vereinbarkeit der wachsenden Fremdenverkehrsströme mit dem Umweltschutz vor; Anerkennung der bestehenden Rechte für Jagd, Fischfang und Rentierhaltung; teilweise weitere Anwendung von Schneemobilen in geeigneten Bereichen; Einführung von »Rangers« im Park (nach amerikanischem Modell) sowie die Verwaltung des Parks durch eine Stiftung mit starker örtlicher und regionaler Verankerung.
Als Schlüssel für die Kombination aller dieser unterschiedlichen Ziele dienten das große Areal des vorgeschlagenen Parks und ein System der Einteilung in bestimmte Zonen mit unterschiedlicher Nutzung. Diese schon Ende der 80er Jahre bekannt gewordenen Vorschläge stießen bei der örtlichen Bevölkerung auf Widerstand. Die Sami (Lappen) befürchteten Einschränkungen in der Rentierhaltung. Jäger, Fischer und Schneemobilfahrer protestierten dagegen. Die gewerkschaftlich organisierten Bergleute in der Gegend um Kiruna wiesen die Bitten der entfernten Stockholmer Regierung zurück. Fünfzehntausend verstimmte Bürger unterzeichneten ein Protestschreiben. Angesichts dieses Widerstands fügte sich das Amt, das Projekt ist jetzt in Vergessenheit geraten.
Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre wurden die anfallenden Parkverwaltungstätigkeiten im Zuge der Dezentralisierung an die regionalen Regierungen übertragen. Nun müssen die Parks mit Finanzierungsvorhaben konkurrieren, die nichts miteinander zu tun haben und sich nicht immer als erfolgreich erweisen; die riesigen Parks im Norden beispielsweise leiden an personeller Unterbesetzung. Auf regionaler Ebene sind mindestens fünf verschiedene administrative Anordnungen entstanden, wobei die innovativste und vielversprechendste Stiftung diejenige ist, die Tyresta verwaltet, einen stark besuchten Park in der Nähe von Stockholm. Der größte Teil der Finanzierung der Stiftung stammt von Beiträgen des Staatlichen Amts für Umweltschutz, kleinere Beiträge kommen von den Kommunen. Die Einnahmen aus der Stiftung decken die jährlichen Betriebskosten; das Anwachsen der Mittel dient dem Inflationsschutz.
Der Verwaltungsrat der Stiftung besteht aus je zwei Vertretern des schwedischen Staatlichen Amts für Umweltschutz und der Stockholmer Provinzialverwaltung, ferner aus drei Vertretern der an den Park angrenzenden Kommunen. Der Verwaltungsrat wählt einen Verwaltungsdirektor, der die tägliche Arbeit des Parks leitet. Diese administrative Lösung hat zwei große Vorteile: die Vertretung der nationalen, regionalen und örtlichen Interessen sowie die Bereitstellung von Mitteln zur Erhaltung des Parks, die kaum Haushaltskürzungen und politischen Manipulationen ausgesetzt sind.
Das Staatliche Amt für Umweltschutz gab vor kurzem den Band Nationalparkerna i Sverige (»Nationalparks in Schweden«) heraus. Der Vorläufer dieses Buches erschien vor über zehn Jahren und wurde in Schweden überraschend ein Bestseller. Das Buch wurde ins Englische und Deutsche übersetzt. Der gegenwärtige Band ist ein würdiger Nachfolger und enthält ausgezeichnete Photographien der 25 schwedischen Nationalparks und ihrer Flora und Fauna. Die Beschreibung jedes einzelnen Parks schließt Landschaftszüge, Pflanzen- und Tierleben und die Geschichte der Bewohner der Gegend mit ein und enthält eine Karte jedes einzelnen Parks mit ausführlichen Wegbeschreibungen. Darüberhinaus haben elf schwedische Autoren kurze Berichte über ihre persönlichen Erfahrungen mit einigen der bemerkenswertesten Naturgebiete verfaßt. Ihre kurzen Schilderungen fangen die »Stimmung des Orts« ein und geben die unverwechselbare Anziehungskraft des schwedischen Naturerbes wieder.
Die Zukunft: Werden die schwedischen Nationalparks »zu Tode geliebt«?
Dem sich abzeichnenden System der schwedischen Nationalparks stehen für die Verwirklichung ihrer Ziele, nämlich Erhaltung der Umwelt, glänzende Aussichten bevor. Die bloße Größe des neuen Parksystems gewährleistet eine weitläufige Verteilung der Besucherströme. Die 1996 erfolgte Ernennung des Gebiets in Lappland zum Weltkulturgebiet soll der Erhaltung des größten zusammenhängenden und relativ unberührten Naturgebiets in Europa dienen; es umfaßt vier Nationalparks – Padjelanta, Sarek, Stora Sjöfallet und Muddus – sowie zwei Naturreservate – Sjaunja und Stubba – mit einer Fläche von etwa 200 x 80 km.
Sowohl die einzelnen Parks als auch das System als Ganzes sind so aufgeteilt, dass Besucher sich nur in bestimmten Gebieten aufhalten dürfen, damit andere Bereiche relativ unberührt bleiben. Das Amt für Umweltschutz erkennt an, dass die in der Nähe von Ballungsgebieten gelegenen Parks wie Tyresta und Stenshuvud stark frequentiert werden, doch andere entlegenere Parks wie Sarek eher den Eindruck einer Wildnis vermitteln sollen. Wo immer es möglich ist versuchen die Behörden, den Parks durch umgebende Naturreservate einen zusätzlichen Schutz zu verleihen. Die große Abgeschiedenheit einiger Gebiete hält die Zahl der Besucher niedrig. Um von Stockholm aus ein beliebtes Wanderziel in Padjelanta erreichen zu können, muss eine neunzehnstündige Reise mit dem Nachtzug, Bus, Hubschrauber und Boot zurückgelegt werden. Es ist deshalb keineswegs überraschend, dass manche Parks nur einige hundert oder höchstens tausend Besucher jährlich sehen (während es in Tyresta fast eine Million sind). Die Tatsache, dass die örtlichen Organisationen die Verantwortung für die Fremdenverkehrsförderung tragen, wobei einige über sehr begrenzte Mittel und einen bescheidenen Verwaltungsaufwand verfügen, hilft den Besucheransturm zu drosseln.
Die Nationalparks Schwedens profitieren auch davon, dass sie innerhalb eines unverwechselbaren Systems privaten Eigentums existieren. In Schweden räumt das Recht auf Privateigentum ein »Recht auf allgemeine Nutzung« (allemansrätt) ein. »In Schweden darf man nach allgemeinem Nutzungsrecht sich frei in der Natur bewegen, oder im Freien übernachten«, wie es eine Broschüre den Besuchern erklärt. Oder in der lyrischeren schwedischen Version: »Die wunderbare schwedische Natur steht uns allen offen – wir können die Düfte, den Gesang der Vögel, die blühenden Wiesen und die stillen friedlichen Wälder genießen.« Die Besucher dürfen auf den Privatgrundstücken gehen, joggen, Rad fahren, reiten und Skifahren, doch sind keine Motorfahrzeuge zugelassen. Sie dürfen ferner Pilze, wilde Beeren und Blumen pflücken (es sei denn, sie stehen unter Schutz), jedoch nicht Zweige, Äste, Rinde, Blätter, Eicheln, Nüsse oder Harz von wachsenden Bäumen entfernen. Sie können schwimmen, mit dem Boot fahren und ein Feuer anzünden, wenn es die Umstände erlauben. (Im Interesse der Erhaltung begrenzen die Bestimmungen der Nationalparks häufig das allgemeine Nutzungsrecht.) Dieses extensive Bürgerrecht ist keineswegs eine radikale sozialdemokratische Initiative, sondern vielmehr auf das Mittelalter zurückzuführen; es gründet sich auf das damals anerkannte Recht von Reisenden. Erwähnenswert ist, dass dieses Recht gewissen Einschränkungen unterliegt; der Besucher darf nämlich weder die Privatsphäre des Eigentümers verletzen noch sein Eigentum beschädigen. Es darf weder auf dem Rasen des Eigentümers gezeltet noch seine Ernte zerstört werden. Als Folge dieses allgemeinen Nutzungsrechts zählen die Nationalparks weniger Besucher. Wenn die Bürger größtenteils nach Belieben herumstreifen können, dann lässt der Druck auf die Nationalparks als hauptsächlichem Naturtourismusgebiet nach.
Nach wie vor sind jedoch die schwedischen Nationalparks Bedrohungen ausgesetzt. Mechanisierte Zugänge zu den Parks – die Verwendung von Schneemobilen oder Motorrädern und Hubschraubern bei der Rentierhaltung – bedrohen deutlich die natürliche Stille und die Sicherheit der Tier- und Pflanzenwelt. Die Gefahr einer schlechteren finanziellen Ausstattung von Parks und Parkverwaltungen hat aufgrund des finanziellen Drucks und der durch die regionalen Verwaltungen vorgenommene Aufrechnung dieser Ausgaben mit anderen vorrangigen Bereichen zugenommen. Die schwedischen Nationalparks und Wanderwege sind von der Bereitschaft der Besucher abhängig, den Reiz der Parks aufrechtzuerhalten. Da immer mehr Besucher aus Europa die schwedischen Parks entdecken und nicht mit den schwedischen Traditionen und Parkbestimmungen vertraut sind, könnte der Standard der Erhaltung aufgeweicht werden. Es gibt unzählige Anekdoten über nicht typisch schwedisches Verhalten von ausländischen Wanderern und Campern. Schließlich weisen Beobachter auf die Bedrohung des schwedischen Naturerbes durch die industriellen Schadstoffe hin, die ihren Ursprung häufig außerhalb der Grenzen Schwedens haben.
In Schweden, wie auch in anderen Ländern, sind Nationalparks nicht mehr die Institution, die sie zu Zeiten ihrer Gründung waren. Ein Quäntchen des ursprünglichen und anregenden Naturpatriotismus und der Sorge angesichts der Industriegesellschaft ist noch vorhanden, doch wird es verstärkt durch eine starke Dosis modernen Umweltbewusstseins. Die nachlässige Verwaltung der ersten Jahre ist einer einzigartigen Kombination aus nationalem Management, bescheidener doch pflichtbewusster regionaler Verwaltung und Unterstützung durch die Benutzer gewichen. Vorläufig wird das Umweltengagement der Schweden und ihrer Politiker grobe Verstöße gegen die Integrität der Parks ausschließen; eine stärkere Bedrohung stellen dagegen inadäquate Finanzierung, industrielle Schadstoffe und Unmengen von Besuchern dar. Langfristig könnten sich die Bedrohungen einer Überbevölkerung und Ressourcenknappheit in Europa schwerwiegender auf die Nationalparks auswirken.